Sein Markenzeichen nahm er mit auf seine letzte Reise: Kurt Mühlenhaupt, Maler, Kneipenbesitzer, Modellbauer, Leierkastenmann und Weltverbesserer, wurde am Sonnabend in Kreuzberg mit seinem roten Hut beerdigt. Oder genauer: mit zweien. Den einen, den er ständig trug, nahm er mit in den Sarg - einen anderen, den er zu Weihnachten geschenkt bekam, hatten sie auf den Sarg gelegt.Mit Hut hatte sich Mühlenhaupt auch selbst mehrfach gemalt - und eines dieser Gemälde war am Sonnabendnachmittag in der Kreuzberger Kirche zum Heiligen Kreuz am Blücherplatz zu sehen. Mehr als 500 Menschen waren gekommen, um von Mühlenhaupt Abschied zu nehmen, der am Ostersonntag im Alter von 85 Jahren im brandenburgischen Bergsdorf verstorben war."Nein, unbescheiden war er nicht, dieser große Tote der Stadt Berlin", sagte Pfarrer Jürgen Quandt über den Maler. So habe Mühlenhaupt während seines 75. Geburtstages in eben jener Kirche darüber spekuliert, dass sie eines Tages vielleicht umbenannt werden würde - in Kirche zum Heiligen Kurt vielleicht oder gar Mühlenhaupt-Gedächtniskirche. So etwas war typisch für Mühlenhaupt - und die Gäste der Trauerfeier quittierten diese Episode mit Gelächter. Als der Pfarrer allerdings mit Blick auf die Witwe Mühlenhaupts sagte "Er ist gestorben, wie er gelebt hat: umhüllt von Liebe" - da wischte sich so mancher der Gäste verstohlen die Augen.Auch dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit war die Trauer deutlich anzumerken. Vor mehr als 30 Jahren, sagte Wowereit, habe er Mühlenhaupt kennen gelernt - ihn, den Maler-Poeten, der nun nach Berlin zurück gekehrt sei. Und der so gern wollte, dass die Menschen besser sind. Der stets ein Schaffender war, der malen musste. Mehr als 3 000 Bilder hat der Ur-Berliner hinterlassen. Zwei davon, so Wowereit, hängen auch in seiner Wohnung. Dann drehte er sich Richtung Sarg, neigte den Kopf und sagte sichtlich gerührt: "Kurtchen, Adieu."Als der lange Trauerzug schließlich auf dem nahe gelegenen Jerusalem-Kirchhof eintraf, standen drei Jungen vor dem Eingang. "Wer wird'n hier begraben?", fragte der eine. "Ein Maler", antwortete eine Frau. "Da hinten" - sie deutete die Zossener Straße hinab, "hatte er früher sein Atelier." Das klang offenbar interessant in den Ohren der Jungen - sie begleiteten den Trauerzug bis zum Grab und sahen, wie der Sarg mit Mühlenhaupts rotem Hut in die Erde gelassen wurde. Gleich neben drei Grabsteinen, die Mühlenhaupt selbst gestaltet hatte - für seine Eltern und seine Schwester.------------------------------"Er selbst war sein größtes Kunstwerk." Jürgen Quandt, Pfarrer