Die Galerie Taube ist seit fast 30 Jahren ein durchaus polemisches Refugium für zeitgenössische realistische Kunst. Galerist Klaus Märtens setzt auf Realismus und gediegenes Handwerk und führt Arbeiten vor, die trotz nahezu dokumentarischer Unmittelbarkeit mitunter seltsam zeitentrückt wirken. Man wähnt sich in Märtens Kunstnische abseits vom Mainstream in einem sorgsam geführten Antiquariat.In diesen Kontext fügen sich die Bilder des 1967 in Greifswald geborenen Lars Lehmann, der an der HdK studierte und nach einem Studienaufenthalt in Ravenna Meisterschüler bei Volker Stelzmann wurde. Märtens stellt die Bilder des Mecklenburgers, der in Güstrow lebt, schon zum zweiten Mal aus. Seine Stillleben und Landschaften scheinen unmittelbar an die Tradition der Neuen Sachlichkeit anzuknüpfen - ein Stil, den Stelzmann im Rahmen der Leipziger Schule bereits Ende der 60er-Jahre aufgriff. Lehmann nutzt die Formensprache mit ähnlicher Intention, jedoch ohne vergleichbare provozierende Kraft zu erreichen. Eher wirken die Bilder, gebunden auch an entsprechende Motive, historisierend. Seine seit 1998 entstandenen Stadt- und Industrielandschaften, Ansichten von Münster und Ribnitz-Damgarten erstarren in gebauter Strenge und erscheinen als Kulissen vor dramatisch dunklen Himmeln. Lehmann genügt das kleine bis mittlere Format, um kompakte, konzentrierte Bildräume zu organisieren. Licht und Schatten verstärken den Effekt der Inszenierung. Die Stillleben sind entweder betont ländliche Arrangements wie das "Kartoffelstillleben II" mit Ei und Schälmesser oder ruhige Kompositionen, die ein wenig an Morandi denken lassen. Zumeist aber sind es zu Milieustudien verdichtete Staffagen voller Spannung und Symbolik. Der Maler bringt den eng bemessenen Bildraum mit der Dingwelt des Kleinbürgers schier zum Bersten. Kalt- und Warmtöne schillern auf. In der subtilen Ordnung der Dinge schwingt beklemmende Aggressivität mit, verstärkt durch Bildelemente wie aufragende Gabeln, Jagdmesser, Kaktus und Gehörn.Galerie Taube, Pariser Straße 54, bis 25.11., Di-Fr 16-19/Sa 11-14 Uhr.