Der Maler Thomas Lange zelebriert seine Rückkehr nach Berlin - mit einer Fahrt auf der Spree: Bootsfahrt mit Freunden

Manchmal wundert man sich. So wie die Besatzung des Ausflugsdampfers "Schöneberg", der am Sonnabend am Dom ablegte. Die Besatzung nämlich hatte sich ein wenig ungläubig gefragt, wer an so einem Abend ein Schiff chartert. Zeitgleich mit dem Champions League-Finale, dessen Übertragung man sich doch gern auf einem großen Fernseher angeschaut hätte, statt auf dem Minigerät, das der Kapitän mitgebracht hatte.Die Gesellschaft, für die das Schiff sich zunächst auf den Weg Richtung Köpenick machte und anschließend nach einem Wendemanöver auch noch bis Charlottenburg fuhr, hatte andere Interessen. Sie bestand nämlich aus Kunstsammlern und Freunden, die den Maler Thomas Lange feiern wollten. Anlässe dafür gab es gleich drei: Lange meldete sich nach vielen Jahren in Italien zumindest zeitweise in Berlin zurück, er feierte Anfang der vorigen Woche Hochzeit mit seinem langjährigen Partner, dem Bildhauer Mutsuo Hirano. Und außerdem gab es kurz vor der Dampferfahrt die Vernissage seiner neuesten Ausstellung. Genau 30 Jahre nach seiner ersten Einzelausstellung in der Galerie Poll am Lützowplatz zeigen die Galeristen Eva und Lothar C. Poll seit dem Wochenende "Thomas Lange - Arbeiten seit den 70ern bis heute".Lange, der 1957 geboren wurde, war nach einem Florenz-Aufenthalt in der Villa Romana, wie er selbst sagt, "in Italien hängengeblieben". Im Blick zurück wird ihm aber auch deutlich, was ihm damals noch nicht so klar war: "Ich bin auch aus Berlin weggegangen, weil mir die ganze Aids-Angst auf den Wecker ging. Ich wollte mein Leben retten." Eine Wohnung, die er noch lange hier in der Stadt hatte, ist inzwischen verkauft. Was er heute als Fehler ansieht: "Die lag in Neukölln. Blöderweise habe ich die aufgegeben, bevor die Gegend in wurde." Dass er weggegangen ist, stellt Lange nicht prinzipiell in Frage: "Man muss ab und zu abhauen."Zu den Passagieren des Ausflugs auf der Spree gehörte mit Ute Gilow die Wirtin des bei Künstlern beliebten Lokals "Florian" in der Charlottenburger Grolmanstraße. Sie kaufte auch als eine der ersten die Kunst von Lange: "Damals hatte ich mein erstes Lokal ,Gottlieb' in Kreuzberg, und Thomas gehörte mit anderen jungen Künstlern, die bei Wolfgang Petrick studierten, zu den regelmäßigen Gästen."Weil die Galerie Poll so lange am Lützowplatz residierte, befindet sie sich in der Wahrnehmung mancher Kunstfreunde immer noch dort. Dabei wurden schon 2009 die neuen Räume im alten Pfarrhaus in der Anna-Louisa-Karsch-Straße 9, gleich am Garnisonkirchplatz in Mitte, bezogen. Neuerdings sind auch die letzten Baugerüste in der Umgebung verschwunden, plötzlich befindet man sich - nur wenige Schritte von der Museumsinsel entfernt - in einer guten Gegend. Auch wenn Trabi-Safaris oder Bier-Bikes draußen vorbeifahren, kann man hier, verglichen mit dem nahen Hackeschen Markt, noch eine relative Ruhe genießen. Die Polls haben den Umzug jedenfalls nie bereut.------------------------------Foto: Wieder da: der sonnenbebrillte Maler Thomas Lange mit seinem frisch angetrauten Ehemann Mutsuo Hirano am Wochenende auf der Spree.Foto: Mit dabei: die bekannten Galeristen Eva und Lothar C. Poll.