Vor vier Jahren, als er schon einmal das Berliner Galerienpublikum zum irritierten Staunen brachte, gönnte er sich noch seinen Vornamen Thorsten. Heute nennt sich der 1962 in Greifswald geborene und heute wieder dort lebende Maler bloß noch Zwinger - er hat Ballast abgeworfen, könnte das heißen. Der Autodidakt konzentriert sich nämlich manisch auf die Malerei, die Collage, die Umwertung von Fotografie zur Skulptur. Das entwickelte sich nicht in Kunsthochschulseminaren und Aktsälen, ist aber längst in aller Welt unterwegs: in Hamburg, Heringsdorf, Hannover und Hongkong und jetzt wieder mal in Berlin. Bis vor Kurzem misstraute Zwinger auch der Farbigkeit; er machte auf seinen Leinwänden und Collagen das Konkrete, Fassbare, Interpretierbare fast unkenntlich durch Schwarz , sublimierte diese düsteren Flächen aber durch differenzierte Tonwerte. Nun, ganz neu, kehrt die Farbe zurück wie eine neue Jahreszeit: Rosa, Rot, Grün, Ocker, Blau. Er musste, glaubt Zwinger, sich selber erst mal unverständlich werden, um zur Farbe zurückzukehren und mit Farben zu den beziehungsreichen Bildgefügen zu finden, den melancholischen wie bei Munch, den romantischen wie bei Caspar David Friedrich. Und zu den fast gewalttätig dramatischen, schmerzhaft obsessiven wie bei Francis Bacon. Das Neue in diesen Zwinger-Bildern bleibt dennoch das nicht genau Erkennbare, das nicht Erklärbare. Kunst muss ihr Geheimnis wahren.Tammen Galerie: Zwinger "Kabuff N. K. 23", Friedrichstraße 210, am Checkpoint Charlie, bis 31. Januar Di-Sa 12-18 Uhr; Telefon: 69 40 12 45------------------------------Foto: Impulsgesteuert und ein wenig wagnerianisch: Zwingers "Tannhäuser II" (Öl auf Leinwand, 2006)