MITTE. Fast schien es, als sollte Berlin für immer ein wertvolles Kunstwerk verlieren. Doch der gut 500 Jahre alte Marienaltar aus der Kapelle der Marienkirche, der Ende Mai in das Brandenburgische Klosterstift zum Heiligengrabe gebracht wurde, wird zurückkehren. "Die Vereinbarung wurde jetzt auf acht Jahre befristet", sagt Christina-Maria Bammel, Sprecherin der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg. Ursprünglich sollte der Altar als Dauerleihgabe in das im Nordosten Brandenburgs gelegene Klosterstift gehen. Als Ersatz für den dortigen Altar, der in die Gertraudenkapelle des restaurierten Brandenburger Doms kam, wo er auch ursprünglich stand. Doch Berliner Denkmalschützer und Kunsthistoriker protestierten gegen den Kulturexport aus der Marienkirche; Mitglieder der Gemeinde sammelten Unter-schriften. Den Vorwurf, die Gemeinde nur spärlich informiert zu haben, weist Sprecherin Bammel zurück. "Der Gemeindekirchenrat hat bereits im vergangenen Jahr die Umsetzung beschlossen", sagt sie. Gemeindepfarrer Johannes Krug stellt klar: "Wir wollten Heiligengrabe einfach helfen." Weil die Marienkirche saniert wird und für den Altar wegen der derzeit schlechten klimatischen Verhältnisse ohnehin kein Platz wäre, habe man dem Verleih zugestimmt. Der Altar wird jetzt erst einmal in Heiligengrabe restauriert.Ursprünglich stammt der Ma- rienaltar aus der Klosterkirche an der Grunerstraße. Weil das Franziskanerkloster im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, übernahm ihn die Marienkirche. Inzwischen weiß man auch, dass nicht mehr alle Altarteile aus dem 15. Jahrhundert stammen. Das Marien-Bildnis ist noch original, Teile der Schnitzereien sind jedoch bereits im 18. und 19. Jahrhundert erneuert worden. "Wir arbeiten jetzt an einem Konzept, wie wir unsere 90 beweglichen Kunstwerke nach der Kirchensanierung sinnvoll präsentieren können", so Krug. Der Marienaltar soll wieder dazugehören. In acht Jahren werden Denkmalpfleger und Kirchenvertreter erneut über den Standort verhandeln. Möglich ist, dass der Altar dann für weitere drei Jahre in Heiligengrabe bleibt, oder aber, dass er sofort zurückkehrt. ------------------------------"Wir wollten Heiligengrabe einfach helfen."Gemeindepfarrer Johannes Krug