Manche Gründer fangen eine Sache an, und sie gelingt scheinbar mühelos. Andere rackern sich dagegen fast 24 Stunden täglich ab und haben trotzdem keinen Erfolg. Die Insolvenzzahlen sprechen eine klare Sprache. Fast die Hälfte aller Neugründungen scheitern - nach ein bis zwei Jahren sind sie pleite. Dabei starten die meisten mit exzellenten Ideen und fundiertem Fachwissen und informieren sich auch über die nötigen Geschäftsgrundlagen. Doch Experten betonen: Nur wer sich den Veränderungen am Markt schnell anpasst, wird dauerhaft Erfolg haben. Schwieriger Beginn"Ein Unternehmer und sein Unternehmen müssen sich ständig verändern und an neue Gegebenheiten anpassen. Denn die Bedingungen, unter denen sie starten, sind schon kurz nach dem Startschuss veraltet. Wer stur seinem "Autopiloten" folgt, den er bei der Gründung eingestellt hat, segelt direkt in die Krise", beobachtet die Autorin Cordula Nussbaum. Die Wirtschaftsjournalistin, die auch als Trainerin Jungunternehmer unterstützt, beschreibt in dem Ratgeber "Die 100 häufigsten Fallen nach der Existenzgründung", wie Existenzgründer die schwierige Anfangsphase überstehen. Dazu gehört auch ein realistischer Gründungs-Fahrplan. "Der Businessplan ist nach meiner Erfahrung in 95 Prozent der Fälle weit weg von der Realität", sagt Nussbaum. Denn die bloße Theorie solle ja vor allem Geldgeber überzeugen. Hinderlich sei außerdem eine Verliebtheit in das eigene Produkt. Der Gründer sollte sich aber immer an anderen messen - im Fachjargon Benchmarking genannt. Auch Kleinunternehmer und Ich-AGs können besser wachsen, wenn sie sich bei anderen Firmen abschauen, was dort gut läuft und dies in ihren eigenem Geschäft umsetzen.Unternehmer müssen sich Ziele stecken. Das dürfe aber nicht banal lauten: "Umsatz machen", betont die Expertin. Die Fragen sollten konkrete Antworten ermöglichen, etwa: Wo möchte ich mit meinem Unternehmen hin, und wo möchte ich in ein paar Jahren stehen? "Viele Unternehmer haben diese Zielvorstellung nicht. Sie haben ein technisches Produkt oder eine Dienstleistungsidee und machen einfach mal, aber sie agieren in vielen Fällen am Markt vorbei", beobachtet Nussbaum. Letztlich müsse man sich aber spezialisieren, um erfolgreich zu arbeiten, ist sie überzeugt. Ohne Beziehungen geht das nicht. "Prinzipiell braucht jeder Unternehmer ein Netzwerk", sagt die Spezialistin. Etwa 90 Prozent der Aufträge eines Unternehmers kommen aus dem Netzwerk, schätzt sie, also von Bekannten, ehemaligen Kollegen - nur der Rest ist Akquise. Probleme besprechenKommt es zu einer Krise, ist Offenheit gefragt. "Viele Chefs haben nicht den Mut, mit jemandem darüber zu reden", stellt Nussbaum fest. "Oft ist es ihnen aber schon eine riesige Hilfe, sich mit anderen Selbstständigen auszutauschen und zu erkennen: Ich bin mit meinen Problemen nicht alleine." Der Gründer muss eine positive Einstellung zu Hindernissen gewinnen lernen. Diese seien schließlich auch eine Chance, etwas zu unternehmen und damit zum Besseren zu verändern.Auch ist es wichtig, die Begeisterung für die eigene Sache aufrecht zu erhalten. Wer die Motivation verliert, gibt schneller auf und hat Mühe, Mitarbeiter und Kunden von der eigenen Idee zu überzeugen. "Bei uns in Deutschland lobt man viel zu wenig", konstatiert Nussbaum. Also muss der Ich-AGler sehen, wo er positives Feedback bekommt. Aber: "Viele Unternehmer scheuen sich davor, Reaktionen einzuholen", stellt die Autorin fest. Es fällt ihnen schwer, Kritik als Chance zu begreifen, es künftig besser zu machen. Dabei vergessen sie, dass sich die eigene Leistung ausschließlich am Nutzen für den Kunden misst. Also sollte der Unternehmer stets nachfragen, ob dieser wirklich zufrieden war. Bei all diesen Unwägbarkeiten sind Erfolge keine Selbstverständlichkeit - deshalb sollten diese auch gebührend gefeiert werden.------------------------------ERFOLGS-FÖRDERUNG // Weichenstellung: Gründern stellen sich zwar auch jede Menge Schwierigkeiten von außen in den Weg. Ein meist übersehenes Problem der Neu-Unternehmer ist jedoch ihre eigene Persönlichkeit. Sie vertrauen stark auf ihre Kenntnisse und Stärken und ignorieren dabei ihre Schwächen. Dadurch entsteht ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit. Notwendige Weichenstellungen bleiben aus, weil die Realität falsch eingeschätzt wird. Bequemlichkeit: Für den Erfolg eines jungen Unternehmens ist jedoch die Anpassung an die Marktverhältnisse entscheidend. Gerade bei Innovationen kommen laufend Weiterentwicklungen hinzu. Aber auch die Art und Weise des Verkaufens oder des Services unterliegen Moden. Wer hier zu wenig auf die Interessen der Kunden achtet oder stark an seinen Ideen hängt, droht bald ins Hintertreffen zu geraten. Ein ständiger Vergleich mit Konkurrenten schützt dagegen davor, zu bequem zu werden. Motivation: Natürlich sollte der Existenzgründer bei aller Veränderung nie die Begeisterung für seine Sache verlieren. Dies ist die beste Möglichkeit der Motivation. Wer Mitarbeiter hat, sollte diese ruhig öfter loben. Wer dagegen allein arbeitet, sollte versuchen, von außen ein positives Feedback zu erhalten.