Vor einer Stunde hatten sich die beiden einstigen Freunde und Widerständler aus DDR-Zeiten am Leipziger Hauptbahnhof noch geprügelt, am Rande einer Neonazidemo: der jetzt rechtsradikale Gewalttäter Banzhaff und der antiautoritär verworrene Künstler Mayer-Lischinski (Thomas Schmauser). Nun aber liegt Banzhaff erschlagen im Vestibül des Völkerschlachtdenkmals, und Mayer-Lischinski klemmt schwer verletzt im Fahrstuhl; er hat für das populäre Kommissarsgespann Ehrlicher und Kain (Peter Sodann und Bernd Michael Lade) bei ihrem 35. Fall der erste Tatverdächtige zu sein. Natürlich war's der Mayer nicht. Und auch an eine Täterschaft der zweiten auffälligen Person, einer jungen Frau, die sich mit dem Opfer kurz vor dessen Tode oben auf dem Denkmal traf, muss man von Anbeginn nicht glauben. Wird sie doch schon in der 23. Filmminute als clevere Verfassungsschützerin dekonspiriert. Nein, alles sieht nach einem braunen Fememord aus. Da muss nur noch der dritte große (Un)Bekannte ausfindig gemacht werden, der sich zu gleicher Stunde von der Nazidemo stahl und zum Denkmal aufmachte. Den entdeckt man auch auf einem Überwachungsvideo, in listiger Kooperation von Kripo und Verfassungsschützern wird er überführt.Weit gefehlt, wer nun annähme, bei einer so transparenten Ermittlungsfabel müsse sich der Zuschauer langweilen. Der Film fesselt auf ganz andere Weise als durch das übersättigend strapazierte Knobel- und Verwirrspiel einer Tätersuche. Der Autor Fred Breinersdorfer, Regisseur und Co-Autor Hans Werner Honert, ein exzellentes Ensemble erfahrener und begabter jugendlicher Darsteller und nicht zuletzt Jürgen Heimlichs Kamera mit ihren erzählerischen Qualitäten dringen mit beklemmenden Erkundungen ein in die rechtsradikale Szene.Mit der Gestalt des Neonazi-Agitators Röckmann führt Matthias Freihof einen intelligenten, redegewandten braunen Rattenfänger vor, der orientierungslose Jugendliche in verhängnisvoller "Kameradschaft" bestärkt. In Bildern entfesselter Gewalt bis zur brutalen Menschenjagd auf den vermeintlichen Mörder Mayer, in bestürzenden Charakterstudien verrohter junger Menschen wird gegen Mechanismen ideologischer und ritueller Irreleitung "ermittelt". Was hier an politisch-moralisch brisanten einzelnen Geschichten vorgetragen wird, ist gar nicht so überraschungsfrei wie der Fabelstrang, der den Krimi zusammenhält. Da ist der Mut der sensiblen Pastorin (Marie-Lou Sellem), die mit dem Versuch scheitert, Halt suchenden Jugendlichen in ihrem Gotteshaus das Gespräch anzubieten. Da ist der fatale Konflikt der Verfassungsschützerin (Lisa Martinek), die kapitale Verbrechen ihres ermordeten V-Manns aus dem Neonazitrupp verschwiegen hatte, um weiter von ihm wichtige Informationen über die Rechtsextremen zu bekommen. Aufregende Sujets, die vertiefende Geschichten wert wären, als Bausteine der Kriminalstory aber Ellipsen bleiben müssen. Tatort: Teufelskreis Sonntag, 20.15 Uhr, ARD------------------------------Foto: Auch Melanie (Natascha Hockwin) schließt sich den Rechten an.

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