BERLIN/HONGKONG, 25. August. Der chinesische Mischkonzern Hutchinson Whampoa (HWL) mit Sitz in Hongkong hat 40 Prozent der Drogeriekette Rossmann übernommen. Der zum HWL-Konzern gehörende Drogerist A.S. Watson will mit der Beteiligung seine Stellung auf dem europäischen Markt festigen. "Deutschland ist größte Markt für Gesundheit und Schönheit in Europa und bietet ein riesiges Potenzial für weitere Entwicklung", sagte der Watson-Manager Ian Wade am Mittwoch in Hongkong. Das Sagen in dem Familienunternehmen mit einem Jahresumsatz von über 1,4 Milliarden Euro wird allerdings weiter der Gründer und Firmenchef Dirk Rossmann haben, dem die restlichen 60 Prozent des Unternehmens gehören.Wichtige SynergieeffekteDer Einstieg von HWL bei Rossmann kommt nicht überraschend. Der chinesische Konzern hatte bereits vor zwei Jahren die niederländische Drogeriemarktkette Kruidvat für 1,3 Milliarden Euro erworben. Kruidvat seinerseits kooperierte seit vielen Jahren mit Rossmann. Einerseits betrieben Rossmann und Kruidvat gemeinsam unter dem Namen R&R Drogeriemärkte in Polen, Tschechien und Ungarn. Zum anderen hielt Kruidvat 40 Prozent am Deutschland-Geschäft von Rossmann. Mit der Übernahme von Kruidvat durch HWL sind die Chinesen sofort in das osteuropäische Geschäft eingestiegen. Auf die Anteile an Rossmann hat HWL vor zwei Jahren allerdings nur eine Option erworben, die nun eingelöst wurde. Die Frist für den Kauf der Anteile wäre im Oktober ausgelaufen. Von der Beteiligung erhoffen sich nicht nur die Manager von A.S. Watson Impulse für das eigene Geschäft. Auch Rossmann kann von dem neuen Partner profitieren. "Wir haben keine Angst vor den Chinesen, zumal Dirk Rossmann die Zügel weiter in der Hand hält", sagte Rossmann-Sprecher Stephan Klose. Vor allem von der engeren Kooperation mit A.S. Watson verspricht sich der drittgrößte Drogerist auf dem deutschen Markt wichtige Synergieeffekte. Beim Einkauf und durch eine gemeinsame Eigenmarken-Politik werde Rossmann Vorteile gegenüber den Wettbewerbern haben, sagte Klose.Konkurrent ist neben dem Branchenprimus Schlecker vor allem die Drogeriekette dm. Zwischen Rossmann, dem norddeutschen Unternehmen aus Burgwedel, und dem Konkurrenten aus dem Süden ist seit einiger Zeit ein harter Kampf um den Platz zwei hinter den Schlecker-Märkten entbrannt. Durch die Übernahme des Großteils der defizitären Drogeriemarktkette kd von Tengelmann ging Rossmann nach Jahren der friedlichen Koexistenz und Partenerschaft auf Konfrontationskurs mit dem Konkurrenten. 70 kd-Filialen hatte Rossmann bereits vergangenes Jahr komplett übernommen. Bei 320 weiteren führt Rossmann nun das operative Geschäft und hat die Option, auch diese zu kaufen. "Ich gehe davon aus, dass dies spätestens Ende nächsten Jahres über die Bühne gehen wird", sagte Rossmann-Sprecher Klose. Derzeit betreibt Rossmann 785 Filialen in Deutschland und 302 in Osteuropa. Mit der Übernahme der restlichen kd-Filialen rückt das Ziel, die Nummer zwei in Deutschland zu werden, immer näher. Allerdings räumt der Konkurrent dm den Platz nicht freiwillig: In Städten wie München, wo Rossmann nun schon auf dm-Terretorium wildert, toben Preiskämpfe bei Windeln und Waschmittel. Das drückt natürlich deutlich die Gewinne, wie man bei Rossmann einräumt. Gerade vor dem Hintergrund weiterer Expansion und Preisschlachten könnte sich der Einstieg des finanzstarken Großkonzerns Hutchinson für Rossmann noch auszahlen.Noch ist das Familienunternehmen aber nicht auf Finanzspritzen aus Hongkong angewiesen. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Umsatz von Rossmann fast verdoppelt. Begünstigt durch den Kauf der kd-Filialen ist allein im ersten Halbjahr 2004 der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 18,8 Prozent auf 784 Millionen Euro gestiegen. "Rossmann wird in Familienhand bleiben", versichert Klose deshalb. Dirk Rossmann hat mit 58 Jahren noch einige Jahre als Chef vor sich und seine beiden Söhne sind offenbar bereit, das Geschäft zu übernehmen.------------------------------Eine Mischung aus Ross und Mann // Dirk Rossmann hat mit einem kleinen "Markt für Drogeriewaren", den er 1972 in Hannover eröffnet hat, den Grundstein für sein Unternehmen gelegt. Dem 58-jährigen wird nachgesagt, ein echter Büchernarr zu sein. Dazu passt, dass das Firmenlogo ein Tier aus der griechischen Sagenwelt ist. Der rote Zentaur, der im Buchstaben O des Firmennamens gefangen ist, ist eine Mischung aus Mensch und Pferd, aus Ross und Mann.Heute beschäftigt Rossmann rund 13 000 Mitarbeiter in Deutschland und Osteuropa. 1 100 Filialen gehören zu dem Unternehmen. Dirk Rossman hält noch 60 Prozent der Anteile an seinem Unternehmen.------------------------------Foto (2) : Dirk Rossman,DrogeristIm Logistikzentrum der Dirk Rossmann GmbH in Landsberg (Sachsen-Anhalt) werden Pakete versandfertig gemacht.