Der Mord an einer kleinen Schönheitskönigin in den USA scheint nach zehn Jahren aufgeklärt: Geschlagen und erwürgt

WASHINGTON. Einer der spektakulärsten Kriminalfälle der jüngeren amerikanischen Geschichte ist aufgeklärt: Zehn Jahre nach dem Mord an der Kinder-Schönheitskönigin JonBenet Ramsey ist ein 41-jähriger Tatverdächtiger in Thailand festgenommen worden. Der amerikanische Staatsbürger, der ehemaliger Lehrer John Karr, räumte gestern in den Vernehmungen ein, dass Mädchen zunächst mit Medikamenten betäubt und sich dann ihm vergangen zu haben. Mehr mochten die Ermittler in Thailand zunächst nicht sagen.Zuhause in Boulder im US-Bundesstaat Colorado äußerte sich ein zufriedener John Ramsey. Der Vater dankte den Fahndern für ihre Arbeit. Man kann seine Erleichterung verstehen. Schließlich standen die Eltern John und Patsy Ramsey zeitweise selbst unter dem Verdacht, ihr Kind getötet zu haben.Geschminkt vor der KameraDas Drama um JonBenet Ramsey begann am 26. Dezember 1996. Damals war das sechsjährige Mädchen tot in ihrem Elternhaus aufgefunden worden. Laut Autopsiebericht ist sie geschlagen und erwürgt worden. In ihrer Unterwäsche fand man Sperma-Spuren.Für die US-Medien war das genug Stoff für ein Melodram: Eine sechsjährige Schönheitskönigin aus gutem Hause wird Opfer eines Sexualverbrechens. Immer wieder sah man im Fernsehen das einzige Kurz-Video von JonBenet Ramsey, wie sie geschminkt in einem Rüschenkleid über den Laufsteg schreitet. Auch ein Bild von dem blondgelockten Mädchen in einem Cowboy-Outfit wurde wieder und wieder in Zeitungen veröffentlicht.Als die Polizei nach einem Jahr keinen dringenden Tatverdächtigen ermitteln konnte, fiel der Verdacht auf die Familie des Opfers. "Sie gehören zu dem Kreis der Verdächtigen", sagte damals der zuständige Fahnder. Als Vater John zugab, die Leiche seiner Tochter vom Fundort im Keller in ein oberes Stockwerk des Hauses getragen zu haben, sah sich die Polizei in ihrem Verdacht bestätigt. Auch eine Erpressernachricht, in der ein Unbekannter 118 000 Dollar für die Freilassung des Kindes forderte, schien der Polizei suspekt. Die Familie Ramsey heuerte bald neben etlichen Anwälten auch Berater für Öffentlichkeitsarbeit an, um ihr Image in der Presse zu verbessern. Doch ohne Erfolg.Irgendwann sah sich die Familie gezwungen, aus Boulder im Bundesstaat Colorado wegzuziehen. In einem der letzten öffentlichen Auftritte blickte John Ramsey in die Kameras, die auf ihn gerichtet waren, und sagte: "Wir sind unschuldig." Nun scheint er bestätigt.Für seine Frau allerdings kommt der jüngste Ermittlungserfolg zu spät: Sie war im Juni des Jahres einem Krebsleiden erlegen. Nach Angaben ihres Ehemanns wusste sie immerhin bereits von dem Tatverdacht gegen den 41-jährigen Lehrer. "Wenn sie die heutigen Entwicklungen miterlebt hätte, dann wäre sie bestimmt so glücklich wie ich", sagte Ramsey gestern.Verdächtige Spuren im InternetIn den US-Medien findet man wenig über den Verdächtigen: Er habe in Boulder gewohnt, sei dann an die Westküste gezogen, sei verheiratet gewesen, heute geschieden und habe drei Kinder. Seine Zulassung als Lehrer habe John Karr verloren, als gegen ihn wegen Kinderpornografie ermittelt wurde. Offenbar ist die Polizei über das Internet auf seine Spur gekommen.Karr wollte versuchen, in Thailand als Lehrer zu arbeiten. Als er in einem Apartment in Bangkok festgenommen wurde, weigerte er sich, Details über sein Verhältnis zu der Ramsey-Familie bekannt zu geben. Alles, was er sagte, war: "Ich war bei JonBenet, als sie starb." Ihr Tod sei ein Unfall gewesen.Nach Angaben der US-Behörden dürfte er in der kommenden Woche in die USA überstellt werden, wo er sich nach zehn Jahren vor Gericht für den Mord an JonBenet Ramsey verantworten muss.------------------------------Falsch verstandene LiebeAls Schönheitskönigin in schicken Kostümen und mit einem verführerischen Lächeln, das manchem Showstar alle Ehre gemacht hätte, war das sechsjährige strohblonde Mädchen JonBenet Ramsey einst aufgetreten. Sie hatte zahlreiche Titel in Mini-Schönheitswettbewerben gewonnen.Nach ihrem Tod wurden Mutter und Vater, aber auch der neunjährige Bruder und ein Onkel stundenlang verhört. Immer neue Spekulationen um die Ambitionen der Eltern sorgten für Aufregung. Es hieß sogar, die Tochter sei Opfer des Ehrgeizes ihrer Eltern geworden.Der Tatverdächtige, der US-Bürger John Mark Karr, erklärte gestern in Bangkok: "Ich liebte JonBenet, ich wollte sie entführen, aber etwas ist schief gegangen."------------------------------Foto (2): Zur Prinzessin gestylt: das Mädchen JonBenet im Video.Der Tatverdächtige John Mark Karr wird vor die Kameras der internationalen Presse geführt.