Herr Sigurdsson, mit der Verpflichtung von Stian Vatne haben die Füchse enorm früh die Transfers für die nächste Saison abgeschlossen. Sind Sie restlos glücklich?Ja. Wir haben eine gute Mischung aus routinierten Spielern und jungen Wilden. Wir haben vier interessante Spieler verpflichtet. Silvio Heinevetter ist ein sehr guter Torwart, Runar Karason ein großes Talent. Dazu wollten wir unbedingt einen Abwehrchef und den haben wir in Stian Vatne gefunden. Mit dem vierten Neuen, Torsten Laen, wird Stian die Deckung stabilisieren. Sie haben internationale Erfahrung und sind daran gewöhnt, gegen gute Rückraumspieler zu spielen.Sehen Sie im Abwehrbereich die größten Schwächen bei den Füchsen?Ja. Wir wollten die größten Lücken schließen.Die Füchse haben aber auch Defizite im Spielaufbau, im Rückraum oder auf Rechtsaußen. Sehen Sie da ungenutzte Potenziale im Kader?Ich bin froh mit dem Kader, so wie er jetzt ist. Und man muss Schritt für Schritt handeln. Wir haben richtig gehandelt.Wieso vier sehr gute Spieler und nicht acht etwas weniger gute?Wir sind an einem Punkt, da werden Schritte nach oben immer schwerer. Um in den Europapokal zu kommen, brauchen wir Qualität. Es gibt in dem Bereich einen sehr großen Konkurrenzkampf mit Klubs in Deutschland, Spanien und Dänemark. Deshalb bin ich sehr, sehr zufrieden mit unseren Neuen. Das ist für uns ein erster Schritt Richtung internationale Klasse.Sind vier Spieler genug?Das hängt doch vom dem Budget ab. Natürlich hätte ich gerne acht Superspieler bekommen, aber man muss realistisch sein. Wir wollten lieber weniger Spieler, dafür richtig gute, die auch charakterlich gut passen.Profitieren junge Spieler davon?Ich glaube schon. Wir werden nächstes Jahr mindestens drei junge Spieler im Kader haben und die wissen, dass der Weg ins Team nicht so lang ist. Aber man muss auch sagen, die Füchse wachsen und die die Jungen müssen mitwachsen.Wer wird es als Erster schaffen?Ich bin sehr optimistisch, dass einige sich reinbeißen.Können Sie nicht konkreter werden?Ich kann keine Namen nennen, warten wir es ab. Drei junge Spieler waren ja bei mir in Island.Die haben Mitte Januar bei Ihrem jetzigen Klub Valur Reykjavík mittrainiert. Was hat Sie dazu bewogen?Das war ein Teil unseres Transferüberlegungen. Ich wollte Gabor Langhans (19), Colja Löffler (19) und Johannes Sellin (17) intensiv beobachtet und einige Sachen mit ihnen probieren, um zu sehen, ob die für mich passen.Ihr Heimatland Island ist ja mit am härtesten betroffen von der Wirtschaftskrise. Wie wirkt sich das auf den Nationalsport Handball aus?Die Auswirkungen im normalen Leben sind schlimmer. Es ist weniger Geld da und die Krone ist schwach. Aber mittlerweile können die Leute ganz gut damit leben. Die Situation hat sich ein bisschen beruhigt und hoffentlich geht es jetzt bergauf. Im isländischen Handball wird es kaum Pleiten geben. Die Jungs kriegen wenig Geld, das wird noch weniger, aber es sind sehr fleißige Jungs, die werden sowieso hart trainieren. Trotzdem wird es leichter, isländische Spieler nach Europa zu holen.Auch für die Füchse?Nein. Wir sind mit den Planungen jetzt fertig.Werden Sie es vielleicht bereuen, wenn die Preise weiter fallen?Was auch passiert, wir haben einen Vorteil. Wir können jetzt mit dem Team planen, wir haben keine offenen Rechnung mehr im Kader.Es gibt Fans bei den Füchsen, die sagen: Der Sigurdsson ist viel zu jung. Oder: Der kann sich gegen Manager Bob Hanning nicht durchsetzen.Das ist eine ganz normale Frage der Leute, manche sorgen sich. Ich bin froh, dass ein Bundesligaklub einem jungen Trainer eine Chance gibt. Eines kann ich versprechen: Ich bin sicher nicht einer, dem man einfach steuern kann wie man will. Ich gehe meinen Weg.Hanning ist eine starke Führungspersönlichkeit.Für mich ist eine Zusammenarbeit mit erfahrenen Leuten ja nicht neu. Ich habe alles relativ jung gemacht. Ich habe mit 22 in der Bundesliga gespielt, mit 24 war ich Kapitän bei Wuppertal. Ich war Trainer mit 30 in Bregenz. Ich war immer ziemlich jung.Werden Sie wegen Ihres Alters unterschätzt?Diese Leute muss ich natürlich überzeugen. Ich muss zeigen, dass ich das kann. Aber ich habe keinen Zweifel. Mir wurde die isländische Mannschaft angeboten, ich bin jetzt Trainer der Nationalmannschaft von Österreich. Gute Arbeit hat nicht unbedingt etwas mit dem Alter zu tun. Volker Mudrow war auch nicht so alt, als er Deutscher Meister mit Lemgo wurde (33 im Jahr 2003). Und Markus Baur ist auch aus meiner Generation.Baur übernahm Lemgo 2008 mit 37. Was ist der Vorteil junger Trainer?Es kann ein Vorteil sein, wenn man frisch rangeht, wenn man die Gedanken der Spieler kennt. Und der Handball hat sich taktisch in den letzten Jahren ziemlich geändert, er ist schneller geworden. Ich glaube, es ist gut, wenn man diese Entwicklung selbst als Spieler erlebt hat.Das Gespräch führte Michael Kölmel.------------------------------Foto: Dagur Sigurdsson, 35, trainiert ab dem Sommer die Füchse Berlin.------------------------------Foto: Der Norweger Stian Vatne, 34, kann zupacken. Das hat Pascal Hens (l.) bei der EM 2009 erfahren.