Seit gut zwei Monaten hat das Berliner Rote Kreuz einen neuen Präsidenten - den früheren Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz. Mit ihm sprach Fina Geschonneck.Berliner Zeitung: Was hat Sie bewogen, als Präsident des Roten Kreuzes zu kandidieren?Klaus Schütz: Freunde hatten gebeten, mich für diesen Posten aufstellen zu lassen. Also habe ich mir genau angeschaut, was die Aufgaben des Roten Kreuzes sind, deren Mitglied ich seit einem Jahr bin. Diese Organisation kümmert sich um soziale Notfälle und um das Wohlergehen der Bürger. Das hat mich überzeugt, mich zur Wahl zu stellen.Ihr Vorgänger, Hartwig Schlegelberger, war Notar im Dritten Reich. Als solcher hatte er unter anderem an Hinrichtungen teilgenommen. Im Mai vergangenen Jahres legte der damals 81jährige aus "gesundheitlichen Gründen" sein Amt nieder. Ein schweres Erbe, das Sie antreten?Ich bin nicht als Chirurg gerufen worden, der an der frischen Wunde operiert. Vielmehr erlebe ich einen Körper, der schon eine wesentliche Regenerationsphase hinter sich hat. Die schwierigste Situation war 1991. Durch schlechtes Management und eine Vielzahl von falschen Entscheidungen war das Berliner Rote Kreuz damals in der Gefahr, auseinanderzubrechen. Das ist jetzt überwunden. Ich sehe mich also nicht als eine Person, die die Finanzbücher in Ordnung bringen muß. Die sind sauber. Das Problem ist jetzt, die hauptamtlich arbeitende Spitze eines großen Unternehmens mit dem Heer der Ehrenamtlichen in Einklang zu bringen. Es geht darum, wie sich das Rote Kreuz und andere Wohlfahrtsverbände im vereinigten Berlin behaupten und ihre Aufgaben wahrnehmen. Das Rote Kreuz muß wie alle anderen Wohlfahrtsverbände sparen - der Senat kürzt Geld. Werden Sie sich mit dem Senat anlegen, um für die Berliner mehr Sozialleistungen anbieten zu können?Bisher habe ich nur Sprüche gehört wie: Jetzt müssen wir den Gürtel enger schnallen. Dennoch stoßen wir an unsere Grenzen, wie beispielsweise bei den Kitas oder beim Unterhalt von Beratungsstellen. Viele Berliner befürchten dennoch schon heute, daß der soziale Frieden in dieser Stadt gefährdet ist, weil wichtige Leistungen reduziert werden, wenn nicht gar wegfallen. Teilen Sie diese Ansicht?Ich bin noch nicht sicher, ob wir an diese Grenze herankommen. Den sozialen Frieden kann wirklich niemand aufs Spiel setzen. Ich habe Angst davor, daß wir durch die Kürzungen Mitarbeiter verunsichern - das will ich verhindern.Die Wohlfahrtsverbände leiden unter Mitgliederschwund. Wie sieht es beim Roten Kreuz aus?Wir sind nach wie vor die zweitgrößte Wohlfahrtsorganisation in der Stadt. Bei uns halten sich die Mitgliederzahlen von gegenwärtig rund 120 000. Aber natürlich haben wir auch Schwierigkeiten. Jährlich müssen wir 8 000 neue Mitglieder werben, um unseren Bestand zu halten. Sie arbeiten als Präsident ehrenamtlich, wieviel Zeit nehmen Sie sich für diese Arbeit?Wer von mir erwartet, daß ich diesen Posten als Beruf ausübe, der irrt sich. Ich werde die Aufgaben des Roten Kreuzes nicht übernehmen, das macht die Geschäftsführung. Mein Engagement ist es, andere Berliner für die Arbeit des Roten Kreuzes zu begeistern und als Mitglieder zu gewinnen sowie innerhalb des Verbandes zu wirken. +++