Der Niederländer betreut Stars aus vielen Ländern: Jos Hermens gehört stets zu den Gewinnern

Ohne Jos Hermens geht kein hochklassiges internationales Leichtathletik-Meeting über die Bühne. Der 45jährige Niederländer ist Manager von Stars aller Herren Länder."Fragen Sie mich nicht, aus wie vielen genau, das müßte ich erst zu Hause in meinem Büro in der Kartei nachsehen lassen", entschuldigt sich Hermens, weil er nicht mit exakten Zahlen dienen kann. Außerdem verändere sich das sowieso laufend. Weil immer mehr dazukommen. Der schlanke, eher unscheinbare Niederländer ist bei den Athleten anerkannt. Kein Funktionär, sondern einer von ihnen. Und dazu kommt, daß er sechs Sprachen spricht. Manager aus Zufall Hermens war einst selbst Läufer, beendete 1978 seine Laufbahn. Doch in den Rekordlisten des internationalen Leichtathletik-Verbandes wurde er bis 1991 geführt. Erst 1991 gelang es dem Mexikaner Barrios den Stundenweltrekord des Niederländers von 20,944 m um 157 m zu überbieten.Manager, so Hermens, sei er eher zufällig geworden. "Carlos Lopez, ein früherer Konkurrent und guter Freund, bat mich, weil ich doch sowieso am Schreibtisch und Telefon säße - ich war damals Repräsentant für den amerikansichen Sportartikelhersteller Nike -, ich solle für ihn Startmöglichkeiten orten. Das haben andere Athleten spitzbekommen und sind ebenfalls an mich herangetreten."1985 wurde der Nebenjob zur Haupttätigkeit. Hermens ist heute Chef des Unternehmens "Globo Sports and Communikation". "Inzwischen arbeiten im Büro sieben Leute, in Berlin sind wir zu dritt. Allein ist das längst nicht mehr zu schaffen." Loser Kontakt zu Krabbe Hermens' Top-Star war einst Katrin Krabbe. "Heute haben wir nur noch losen Kontakt, ich habe gehört, daß auch sie ein Comeback anstrebt", sagt der Niederländer und seine Stimme verrät dabei, daß er so recht nicht an die Rückkehr der einstigen Tartan-Königin in die Leichtathletik-Arenen glaubt. Ganz anders ist seine Meinung zu Krabbes ehemaliger Mannschaftsgefährtin Grit Breuer. "Auch wenn der Auftakt nach der langen Pause nicht gerade berauschend war, Grit kommt wieder", ist sich der Niederländer sicher.Breuer gehört heute wieder zum Hermens-"Stall", ebenso wie die Neubrandenburger Kugelstoß-Weltmeisterin Astrid Kumbernuss, ihre Vorgängerin und diesjährige Zweite, Huang Zhihong aus China, wie 10 000-m-Olympiasieger Khalid Skah aus Marokko, der Überraschungs-Zweite der WM über 800 m, Arthemon Hatugimana aus Burundi, 800-m-Olympiasiegerin Ellen van Langen aus den Niederlanden, die Speerwurf-Zweite von Göteborg, Filicia Tilea aus Rumänien, wie der Olympiadritte über 5 000 m, Fita Bayissa aus Äthiopien. Neun Medaillen-Gewinner von Göteborg werden von Hermens und seinen Leuten gemanagt.Der Top-Star des "Globo Sports and Communikation" ist heute Haile Gebreselassie, fast so etwas wie ein Ziehsohn von Hermens. Und zur "väterlichen" Sorgfaltspflicht gehört für den Manager auch, daß er die Starts des Äthiopiers wohl dosiert, damit dieser nicht schon nach ein oder zwei Jahren ausgebrannt in der Versenkung zu verschwindet. Der gemeinsame Grundsatz: Weniger ist mehr. Der Äthiopier dankte es seinem Manager mit zwei phantastischen Weltrekordläufen in dessen Heimatstadt Hengelo. Und mit dem überlegenen 10 000-m-Sieg bei den Weltmeisterschaften in Göteborg."Haile ist in dieser Saison in die Reihe der Top-Verdiener der Leichtathletik aufgestiegen, neben Sergej Bubka, Noureddine Morceli, Linford Christie und Michael Johnson", freut sich Hermens. Was sich auch für den Manager auszahlt, denn der kassiert kräftig mit: 10 bis 15 Prozent der Startgagen und Prämien. +++