Mit seinen fotografierten Travestien nur einen Gag zu schaffen, damit es die Leute in die Ausstellungen zieht, das wäre Josef Fischnaller zu wenig. Der 45-jährige Österreicher ist vielmehr richtig vernarrt in Alte Meister, etwa Caravaggio, Velazquez, Tizian, Rubens oder in die altdeutschen Maler Holbein oder Cranach, egal, ob es dabei um die Künstlerperson des jeweils älteren oder jüngeren geht. Renaissance, Manierismus, Barock - das sind die Stile, auf die Fischnaller abfährt.Er schaffte es, den Regisseur Oliver Hirschbiegel, verkleidet als Jane Seymour - Gattin Nr. 3 des gefürchteten Heinrich VIII. von England - vor die Kamera zu kriegen. Trotz seiner Hakennase bekam der Filmemacher die Pose überzeugend hin. Auch den Skandalpapst Alexander Borgia gab er mit Verve. Und nicht schlechter machte seine Sache der Publizist David Baum: Lässig auf die Thron-Ottomane gefläzt, gibt er den Kaiser Franz I. ganz dekadent. Romy Haag, die Diseuse, wird zur "Venus", und Isabella von Bourbon schaut im steifen Gewand und hochmütig, in Gestalt eines hochmütig postierten Models, vom Fahrrad auf die Welt herab."Malen mit Licht", nennt Fischnaller seine Bilder, die gekauft werden wie warme Semmeln. In diesem schein-altmeisterlichen Glanze muss sich der Norweger Anders Gjennestad aber nicht verstecken. Der 30-Jährige malt unter dem Titel "Die Geschichte der zerbrochenen Scheiben" das Vergängliche, Flüchtige, charmant Marode: alte Türen und Fenster. Er macht verschlissene Apparate und Dokumente zu Skulpturen. Beiden Künstlern geht es um das Wechselspiel von Ruhe und Hektik, von Gelassenheit und Aufregung, von Vergangenheit und sogenanntem Fortschritt. Und beide bewahren liebenswürdig ironisch etwas, das schon so lange her ist.Galerie Friedmann-Hahn, Ausstellung "Zeit-Gewinn" Wielandstraße 14 (Charlottenburg). Bis 17. 4., geöffnet Di-Fr 14-20/Sa 12-15 Uhr.------------------------------Foto: Eine veritable Travestie: So verkleidet der österreichische Fotograf Josef Fischnaller den Fimemacher Oliver Hirschbiegel - als Jane Seymour.Foto: Eine bunte Containerwelt: So sieht der norwegische Maler Anders Gjennestad die Erde im Zeitalter fortgeschrittener Globalisierung.