Arndt (Ken Duken) saß wegen eines Raubüberfalls im Gefängnis und kehrt nach zwei Jahren in seinen Heimatort zurück, doch die Dorfgemeinschaft nimmt ihn nicht wieder auf. Der Rebell des Dorfes war nie beliebt bei den Einwohnern, außerdem ist viel Zeit vergangen und die Dinge haben sich verändert: Der beste Freund René (Thomas Arnold), der eigentlich auf Arndts große Liebe aufpassen sollte, steht jetzt mit ihr vorm Traualtar. Ausgerechnet auf dem Hochzeitsfest taucht der Heimkehrer wieder auf. Die Feier endet in einer großen Szene, in der Arndt seinen Freund niederschlägt und in der Nacht verschwindet. René läuft ihm hinterher, um mit ihm zu reden. Minuten später geht der leer stehende Kindergarten des Dorfes in Flammen auf. Am nächsten Morgen wird René tot im Keller der ausgebrannten Ruine gefunden. Der Verdacht fällt sofort auf Arndt, doch nicht einmal seine Mutter, die Bürgermeisterin, weiß, wo er ist.Der erste Fall der neuen ORB-Kommissarin Johanna Herz, gespielt von Imogen Kogge, erinnert ein wenig an klassische Kriminalfälle wie bei Agatha Christie: Eine eingeschworene Dorfgemeinschaft, die der ortsfremden Polizei feindlich gesonnen ist, ein korrupter Geschäftsmann, der mit der Bürgermeisterin anbandelt, eine Verfolgungsjagd durch Brandenburgs Wälder und ein Showdown in der voll besetzten Dorfkneipe. Jeder hat ein Motiv und je weiter die Ermittlerin bohrt, desto dunklere Geheimnisse fördert sie zu Tage, bis am Ende der klassische Satz fällt: "Der Mörder ist hier im Raum." Trotz des klassischen Vorbilds spricht "Braut in Schwarz" aber auch reale Probleme an. Rechtsradikalismus und Investitionsruinen beim Aufbau Ost werden thematisiert. Damit folgt auch der Film mit Kommissarin Herz der Strategie des ORB, "einen Polizeiruf mit Botschaft" zu machen, wie es Cooky Ziesche, die verantwortliche Redakteurin des Senders, nennt.Der Regisseur Bodo Fürneisen legte Wert darauf, sich von den anderen Sendeanstalten zu unterscheiden, die den Polizeiruf auf einer "komödiantischen Schiene" produzieren: "Am Anfang gibt s eine Leiche und drei Verdächtige, einer wird dann als Mörder überführt und dazwischen machen die Kommissare Witze." Obwohl diese Strategie erfolgreich hat der ORB mit seinen "Polizeiruf"-Folgen anderes im Sinn. Für Fürneisen ist die Story wichtiger als die Personen der Ermittler. Wie die Vorgängerin Wanda Rosenbaum, verkörpert von Jutta Hoffmann, ist die neue Kommissarin eine Frau, die im Leben steht und psychologisch ermittelt. Damit bildet auch sie ein Pendant zu dem gemütlichen Dorfpolizisten Krause (Horst Krause). Ziesche will aber auch auf Kogges Warmherzigkeit setzen, im Gegensatz zur eher spröden Kommissarin, die Jutta Hoffmann prägte. Insgesamt ist der Einstand von Imogen Kogge als neue Kommissarin gelungen. Die Arbeit mit Partner Krause und der Filmfamilie machte offensichtlich Spaß, das Filmteam sprach von einer "großartigen Zusammenarbeit". Anfangs hatte Kogge Bedenken, die Rolle anzunehmen: "Ich habe lange gezögert und es war dann eine kurzfristige Entscheidung." Eine gleich bleibende Figur war der Schauspielerin, die vorwiegend im Theater arbeitet, etwas suspekt. Deshalb sind vorerst nur vier Folgen vereinbart. Es dürfen gern mehr werden.Polizeiruf 110: Braut in Schwarz, Sonntag, 20.15 Uhr, ARDORB/TORSTEN LINDNER Die Neue und der Alte: Johanna Herz (I. Kogge) und Krause (H. Krause).