Der PDS-Politiker hielt eine politische Neujahrspredigt: Gregor Gysi sorgt für volles Gotteshaus in Hannover

HannoverGregor Gysi sorgt für ein volle~ Gotteshaus -- zumindest in Hannover. Über 600 Menschen sind zui Neujahrspredigt des Vorsitzender der PDS-Bundestagsgruppe in diE Kirche Johannes der Täufer in Hannover-Trabantenstadtteil Wettbergen gekommen.Bis auf die Straße stehen die Zuhörer, manchmal werden erschöpfte Kinder aus dem Gedränge hinausgetragen. Im Gemeindesaal erlebt Gysi eine Art Heimspiel, wohl auch, weil zuvor die evangelische Landeskirche massiv gegen seinen Auftritt protestierte.Politische Predigten haben in der kleinen engagierten Gemeinde jedoch Tradition. So hatte man auch schon Niedersachsens Ministerpräsidenten Gerhard Schröder und den Kölner Schriftsteller Günter Wallraff zu Gast.Der Gysi-Auftritt sei eine "Verhöhnung der Opfer des DDR-Regimes , steht auf einem Plakat vor dem Gemeindesaal, doch dieser Protest eines aus der DDR stammenden rheologen bleibt in der Minderheit. Die anonym angekündigten Rauch~omben gegen Gysl explodieren ~lcht, der Appell des Kirchenvoritandes an eine "Kultur des Zuhörens" und Polizeiwachen rund um las Gotteshaus zeigen Wirkung. So erhält Gysi im zweiten Teil des Gottesdienstes, nach dem Segen, Neujahrsansprache und dem Choral "Von guten Mächten treu und still umgeben" die Gelegenheit zu seinem, wie er sagt, "ersten Auftritt in einer praktizierenden Kirche ohne musealen Charakter"."Ich bin kein Atheist, sondern nur ein Heide, der Religion nicht kämpferisch ablehnt", wirbt Gysi für sich, als könne man ihn in Wettbergen noch zum Kircheneintritt überreden. Die DDR -- "der erste sozialistische Versuch auf deutschem Boden" -- sei "zu Recht zugrunde gegangen", sagt Gysi.Er und die PDS wollten aber an der Vision einer "klassenlosen Gesellschaft" festhalten. "Es muß aufhören, daß die DDR-Bürger als die schlechten Deutschen gelten, das zerstört Selbstbewußtsein", erklärt Gysi und kritisiert in seiner Rede die zunehmende Politikverdrossenheit,Während man zwischendurch den Sprechfunk der Polizeiwache vernimmt, beendet der PDS-Politiker seine Ansprache mit einem Bibelzitat aus dem Markus-Evangelium: "Habt Salz bei Euch und habt Frieden miteinander."Dies wird vielleicht auch die Landeskirche beherzigen, die argwöhnisch einen schriftlichen Bericht über die Predigt anforderte -- und der kleinen Gemeinde ihren Gysi-Auftritt "wie einem verhaltensauffälligen Schüler" verzeiht.