Lila, der letzte Versuch, sagt man von dieser Farbe. Volker Pfüller, immer zu einem sarkastischen Spaß aufgelegt, malt seinen Hund auf lila Grund. Das nimmt dem Betrachter, mag das Tier mit seinem Saurierkopf noch so sehr die Zähne fletschen, die Angst. Und vielleicht fürchtet ja auch der arme Hund dann nicht mehr all die fremden Blicke. Vielleicht hat dieser Kunst-Köter ja etwas zu tun mit dem "Hund von Baskerville", den das Berliner Kriminaltheater spielt. Um ein treffendes Theaterplakat nämlich war und ist Pfüller nie verlegen. Und schon etliche Male trug er seit Jahrzehnten einen Preis im alljährlichen Republik-Wettbewerb "Bestes Plakat" nach Hause.Mit der unbekümmerten fantasiebegabten Zeichen-Geste eines Kindes setzt der Leipziger Künstler solcherart Vierbeiner aufs Papier und macht ihn zum Leitmotiv seiner Schau in der Galerie Forum Amalienpark. Neben einem knallroten Hahn und einer grünen Katze. Anlass ist der siebzigste Geburtstag des Bühnen- und Kostümbildners, Plakatmalers, Illustrators und emeritierten Hochschullehrers. Er lehrte nach 1990 an der Gesamthochschule Kassel, an der Kunsthochschule Weißensee - wo er einst studiert hatte - und an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.Ohne ihn, den leidenschaftlichen Liebhaber und Virtuose alter Drucktechniken - gerade davon erzählt die Ausstellung - war die DDR-Theaterlandschaft undenkbar. Er war der ästhetische Orientierungspunkt der Disziplin. Sein Plakat für Büchners "Dantons Tod", 1981 am Deutschen Theater mit dem unverkennbaren Kopf von Christian Grashof, schrieb Kunstgeschichte der Gebrauchsgrafik. Gestalten, Gesichter und Köpfe setzt Pfüller um in gegenständlich erzählende, dabei verknappte Bildsprache - manchmal satirisch, mitunter poetisch, immer ungefällig, dafür pointiert. Selbst die an Malewitsch und Kandinsky erinnernden eckigen Figurinen zu Bühnengestalten wirken skurril, eigensinnig und immer ganz frei vom Angebundensein an eine konkrete Aufführung.Viele Bilder an den Wänden und in den Vitrinen belegen die Zusammenarbeit mit den Regisseuren Adolf Dresen, Dieter Dorn, Alexander Lang, Thomas Langhoff und Alexander Stillmark am Deutschen Theater, an der Volksbühne und am Schiller-Theater in Berlin, an den Münchner Kammerspielen, am Thalia Theater Hamburg, an der Staatsoper Stuttgart, an der New Israeli Opera Tel Aviv und beim italienischen Musicale Fiorentino.Pfüller nimmt die Pankower Ausstellung als Geburtstagsgeschenk. Und einer seiner einstigen Schüler, Thomas Siemon, widmete ihm außerdem eine Sonderausgabe des in Leipzig herausgegebenen Grafikmagazins "Lubok" - mit einer Folge von Linolschnitten, diesmal zum Thema "Tierlein". "Lubok" aus Sachsen bezieht sich auf jene legendären Bild-Text-Satire-Heftchen, die Malewitsch und Majakowski um 1914 in St. Petersburg als "Spiegel der Volksseele" herausgaben und damit die zaristischen Zensoren provozierten.Die Pfüllerschen Lubok-Bilderseiten sind Seite für Seite wie ein Tagebuch, ein Spiegel, eine Biografie. Sie sagen mehr über den Grafiker, als seine Laudatoren es wortreich tun. Der Mann hat einfach Lust an der Kunst, also gehen ihm die Ideen niemals aus. Das Derbdrollige, das Comichafte der Bildsprache täuscht auf den ersten Blick. Es lässt die Schärfe heutiger Zeitkritik eben auch wieder nur mit Augen des Volkes lesen. Und das ist ganz nach Pfüllers Geschmack.Galerie Forum Amalienpark, Breite Straße 2a (Pankow), bis 20. Juni. Di-Fr 14-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr. Am 17. Juni ab 19 Uhr Podium mit Pfüller und ehemaligen Studenten, u.a. Anke Feuchtenberger, Henning Wagenbreth.Lubok-Hefte über den Lubok Verlag in Leipzig 04179, www.lubok.de.------------------------------Foto: Der Mann hat einfach Lust an der Kunst, also gehen ihm die Ideen niemals aus: buntes Pfüllersches Hundeleben.