Der Schauspieler Helmut Fischer, berühmt geworden in Helmut Dietls Fernseh-Serie "Monaco Franze", ist tot. Er starb am Samstagabend im Alter von 70 Jahren am Chiemsee an einem Krebsleiden."Spatzl, schau, wie ich schau." Mit diesem Satz ist Helmut Fischer berühmt geworden. Diesen Satz hat der "Monaco Franze" häufig gesagt, nämlich immer dann, wenn sein "Spatzl" (Ruth Maria Kubitschek) nicht glauben wollte, daß er nur Biertrinken war. Der Satz heißt soviel wie: "Können diese Augen lügen?"Natürlich konnten sie. Das war ja der Witz am "Monaco Franze". Und immer wieder ist das "Spatzl" drauf reingefallen. Oder hat ihren Mann zumindest in dem Glauben gelassen, sie fiele drauf rein. Denn das "Spatzl" war eine kluge Frau, während der "Monaco Franze" nur ein Schwindler war. Wenn auch ein charmanter, das mußte man ihm lassen. Und ein bißchen hatten beide auch etwas vom jeweils anderen. Das war das Geheimnis dieser Ehe ­ und ihres Fernseherfolges: So viel Souveränität hätten sich viele Zuschauer auch bei sich zuhause gewünscht.Als Helmut Fischer in der Rolle des unverbesserlichen Schwerenöters berühmt wurde, war er 54 Jahre alt. Er wäre schon vorher gerne ein großer Schauspieler geworden. Aber als er in jungen Jahren bei Gustaf Gründgens zum Vorsprechen erscheinen durfte, stolperte er schon beim Betreten des Raumes über einen Teppich. Gründgens lehnte ihn ab.Eine Episode, die immer wieder gerne über Fischer erzählt wird. Sie paßt so gut zu seinem Image, das er später als Tolpatsch im Fernsehen erwarb. Daß es wirklich seine Ungeschicklichkeit war, die ihn um die große Theaterkarriere brachte, ist unwahrscheinlich. Vielmehr dürfte Gründgens einfach Fischers Begabung für nicht ganz ausreichend gehalten haben. Denn eins steht fest: Fischer war kein Charakter-Darsteller. Er war ein Charakter. Erst Helmut Dietl hat das Jahre später erkannt. Doch bis es soweit war, sozusagen zwischen Gründgens und Dietl, tingelte Fischer, geboren am 15. November 1926 in München, über verschiedene Bühnen. Die Schauspielschule hatte er abgebrochen, nicht die erste Schule übrigens, die er vorzeitig verließ. Nach Engagements in Würzburg und Ulm kam er nach München zurück, spielte gelegentlich an den Kammerspielen und im Residenztheater und später auch im "Tatort". Richtig berühmt gemacht hat ihn das alles nicht. Dann traf er Dietl, mit dem er vorher schon einmal einen Film gedreht hatte, 1978 auf der Leopoldstraße in München-Schwabing."Herr Fischer", so erklärte ein Reporter viele Jahre später, "von Ihnen kann man doch wirklich nicht behaupten, daß Sie gut aussehen. Wie sind Sie eigentlich zu der Rolle des ´Monaco Franze´ gekommen?" Auf diese Frage hätte Fischer gerne geantwortet: "Weil der Dietl einen besseren Geschmack hat als Sie." Aber das ist ihm erst am Tag nach dem Interview eingefallen. Wahrscheinlich hat er es selbst nicht so ganz genau gewußt, aber dankbar ist er dem Regisseur für seine Entdeckung immer geblieben: "Wenn der Dietl bös zu mir ist ­ sogar das darf er." 44 Jahre lang war Fischer mit der ehemaligen Tänzerin Utta Martin verheiratet. Allein das zeigt, was Fischer selbst auch immer wieder betonte: "Der ´Monaco Franze´, das bin nicht ich" ­ von wegen "ewiger Stenz".Im November 1996, an seinem 70. Geburtstag, da wußte Fischer längst um sein schweres Krebsleiden. Ob er manchmal an den Tod denke, fragte ihn da "Ponkie", die legendäre Fernsehkritikerin der Münchener Abendzeitung. "Oft", gab Fischer zur Antwort. "Das Leben macht sich ja mehr und mehr aus dem Staub. Jetzt habe ich endlich einigermaßen Schreibmaschine gelernt, und das soll jetzt bald umsonst gewesen sein?"