Klaus Mertens, in seinen späten Jahren ein prägender Castorf- und Marthaler-Schauspieler, ist vorgestern im Alter von 74 Jahren gestorben. Am 16. Januar, zur triumphalen 169. Vorstellung von "Murx den Europäer" (darin war er der Typ mit der altmodischen Trainingsjacke), stand er zum letzten Mal auf der Bühne; die Inszenierung war zehn Jahre alt geworden. 35 Jahre hat er der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz treu, ergeben, klug, mit hinreißender, mitreißender Freude am Spielen gedient. Mertens war die DDR-Biografie, die die Wende zum Frührentnerdasein bestimmen wollte. Frank Castorf, der den Mimen erst nicht übernehmen wollte, hat es sich anders überlegt. Er machte mit einigen älteren Entlassungskandidaten statt Abwicklung großes Theater. Mertens, plötzlich ein Protagonist, spielte in "König Lear", "Golden fließt der Stahl", "Des Teufels General". Die Zeit vor Castorf war nicht weniger großartig: Benno Besson, Manfred Karge, Matthias Langhoff, Fritz Marquardt arbeiteten mit ihm. Dass Mertens dem Marthaler so nahe kam, muss an der Enge der DDR oder der Enge der Schweiz gelegen haben. Wir trauern auch, weil ein Stück Identität gestorben ist. (df.)