Unter völkerkundlichen Gesichtspunkten ist die Landesvertretung des Freistaates Bayern in der Behrenstraße ein Ort für interessante Studien. Am Donnerstagabend erst wieder: Da probierten etwa 200 Gäste, darunter viele Bundestagsabgeordnete, Wurstsorten und notierten ihre Wertung auf Bögen. Das Ganze hieß "2. Wurstkolloquium" und diente eigentlich der Werbung für Wurst des oberfränkischen Landkreises Lichtenfels. Für so manchen trat allerdings der Genuss bayerischer Bierspezialitäten bald in den Vordergrund. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos, der vom Starkbieranstich in München kam und zwischendurch für zwei Stunden verschwand, um sich beim Ausstand von CDU-/CSU-Fraktionschef Wolfgang Schäuble blicken zu lassen, erweiterte für diesen Abend seine Feindbildgalerie. Neben den Sozis, von denen er jeden Morgen einen mit viel Häme übergossen zum Frühstück verspeist, hingen da diesmal auch die Fleischverächter: "Vegetarier sind Menschen, die ihre Wurst beim Gärtner kaufen. Ich hoffe, wir haben heute keinen dabei."Wesentliche Erkenntnisse des Abends, geäußert von verschiedenen Rednern: 1. Wer nicht genießen kann, ist ungenießbar. 2. Lieber mit 80 geplatzt, als mit 50 verhungert. (Das ging gegen Joschka Fischer!) 3. Essen und Trinken ist die Sexualität des Alters. Ex-Bauminister Eduard Oswald gab sich als echter Schwabe zu erkennen. Erst stellte er fest: "Unglaublich, was alles in einen reinpasst, wenn es nichts kostet." Und dann wünschte er sich ein Wurstpaket zum Mitnehmen.----Ihr erster Berlinbesuch war streng geschäftlich. Bea Prinzessin von Auersperg, wohnhaft in Marbella und New York, eröffnete am Donnerstagabend den "Princess Bea Auersperg Collections-Shop" in der Fasanenstraße 31. Dort werden ab sofort Schmuck, Taschen, Schuhe und Accessoires mit Löwen und Krone, den Markenzeichen der Prinzessinnenkollektion, an die Frau gebracht. Oder an den Mann, der bei seiner Liebsten freigiebiger erscheinen will, als er es in Wahrheit ist. Da gibt es einen Ring, der nach einem oberprotzigen Vierkaräter ausschaut, aber nur einen Bruchteil kostet: 179 Mark. Und zu diesem Schmuckstück hat die Prinzessin auch eine Geschichte parat: In der spielt ein bekannter Münchner Juwelier (keine Namen!) die Hauptrolle und steht am Ende deppert da, weil er den Ring zum Schnäppchenpreis für eine teure Juweliersarbeit mit echtem Stein hielt. "Man kann das eben wirklich nur mit Lupe unterscheiden."Mit der Lupe musste Alexander Rau, Geschäftsführer der E&C Luxus-Marken Vertriebsgesellschaft, die die Produkte der Prinzessin in die Geschäfte bringt, in der Fasanenstraße Käufer suchen: "Ich war im November hier und habe ganze vier Kunden in der Straße entdecken können." Einige mehr braucht der Laden der Prinzessin - übrigens ihr 13. weltweit - schon, damit ihm das Schicksal seiner beiden extrem kurzlebigen Vorgänger erspart bleibt.Der Schwabe und das WurstpaketEröffnete ihren ersten Laden in Deutschland in der Fasanenstraße: Bea Prinzessin von Auersperg.BERLINER ZEITUNG/CHRISTIAN SCHULZ(2) Gönnt sich in der Fremde gerne bayerische Wurst: CSU-Landesgruppenchef Michael Glos beim Wurstcolloquium in der bayerischen Landesvertretung.---leute Telefon 23 27 53 96 Telefax 23 27 51 14