Der illegale Waffenhandel floriert. Jahrelang war die Zahl der sichergestellten Waffen zurückgegangen. Im vergangenen Jahr ist sie wieder gestiegen. Nach einer Statistik der Innenverwaltung stellte die Polizei 2008 insgesamt 3 288 illegale scharfe Schusswaffen sicher. Ein Jahr zuvor waren es 3 275 Stück.Die Waffen wurden von den Beamten beschlagnahmt - etwa bei Razzien gegen Rocker oder im Drogenmilieu, sowie bei Durchsuchungen von Waffensammlern. Bei Mitgliedern von kriminellen Gruppierungen fanden die Ermittler sogar Pumpguns und Maschinenpistolen. Auch stellten Ermittler fest, dass Sammler Handgranaten und Maschinengewehre aus dem Zweiten Weltkrieg horteten. "Aber die Waffen, die wir gefunden haben, sind nur ein Bruchteil aller illegalen Waffen", sagen Fahnder. Nach ihren Schätzungen sind Zehntausende verbotene Waffen in Berlin im Umlauf.Laut Senatsstatistik sind Pistolen am beliebtesten. 123 fand die Polizei im vergangenen Jahr, elf mehr als 2007. Eine Pistole ist je nach Kaliber und Anzahl der Munition auf dem Schwarzmarkt bereits ab 250 Euro zu bekommen. Wie in jedem Jahr wurden auch 2008 illegale scharfe Revolver sichergestellt. 39 fand die Polizei. 2007 waren es fast genauso viele.Besonders besorgniserregend, so die Polizei, sei die Zahl der Maschinenpistolen, die illegal im Umlauf sind. Im vergangenen Jahr wurden 26 Maschinenpistolen entdeckt und sichergestellt. In den zwölf Monaten zuvor waren es lediglich acht. Für eine Kalaschnikow mit vollem Magazin werden auf dem Schwarzmarkt in Berlin mehr als 500 Euro verlangt - und auch bezahlt. Gehandelt wird inzwischen vorrangig über das Internet, sagen Polizisten. Getarnt als normale Paketsendungen schicken die Händler einzelne für Laien nicht erkennbare Metallteile in Paketen an ihre Kunden. So werden Abzugshebel, Bolzen und Schlösser sowie Läufe von Maschinenpistolen in verschiedene Pakete verpackt und verschickt. Die Kunden setzen anschließend die Einzelteile zusammen. Schwieriger für die illegalen Waffenhändler sei die Lieferung der Munition, weil bei Kontrollen von Paketen Patronen eindeutig zu identifizieren sind. Deshalb wird die Munition meist mit Kurieren direkt von Haus zu Haus bis zum Kunden gebracht. Das sei ähnlich organisiert wie beim illegalen Zigarettenhandel, sagen Polizisten. Auch dort liefern die Händler die unverzollten Zigaretten ja längst direkt nach Hause.Am Montag will der Innenausschuss des Abgeordnetenhauses über Möglichkeiten beraten, wie Berlin die neueste bundesrechtliche Änderung des Waffengesetzes umsetzen kann. Die große Koalition hatte unter anderem die Einführung eines einheitlichen Melderegisters und Kontrollen bei Waffeninhabern beschlossen. Die Länder sollen die Möglichkeit haben, Besitzern illegaler Waffen mit einer zeitlich befristeten Amnestie die Möglichkeit zu geben, diese straffrei abzugeben."Wir fordern eine zügige Umsetzung dieser Amnestie", sagte der Grünen-Abgeordnete Benedikt Lux am Freitag der Berliner Zeitung. "Vor allem muss die Information über diese Möglichkeit bei den Menschen ankommen." Ähnlich sieht es der Vorsitzende des Innenausschusses, Peter Trapp (CDU). "Die Info darf nicht nur im Amtsblatt stehen." So wie Lux fordert Trapp auch Kontrollen, wie die Waffen gelagert werden.------------------------------360 Berliner dürfen bewaffnet außer HausOffiziell registriert sind in Berlin 56 377 Schusswaffen, zum Beispiel von Sportschützen oder Jägern sowie von Geldtransporteuren und Wachschützern. Die Waffen von Polizisten gehören nicht dazu.Die Waffenbehörde des Landeskriminalamtes ist zuständig für die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und das Ausstellen von Waffenbesitzkarten und Waffenscheinen. Die 15 Mitarbeiter kontrollieren den Grund für den Waffenbesitz, die persönliche Eignung und die gesetzlich vorgeschriebene Aufbewahrung der Waffen.Eine Waffenbesitzkarte, die für maximal acht Waffen gelten kann, haben in Berlin mehr als 19 000 Personen. Eine Höchstgrenze zum Besitz von Waffen gibt es nicht. Wer eine Karte hat, darf eine geladene Waffe nicht in der Öffentlichkeit tragen. Dafür benötigt man einen Waffenschein.Einen Waffenschein, der alle drei Jahre neu beantragt werden muss, haben in Berlin rund 360 Privatpersonen.------------------------------Grafik: Anträge auf Erteilung einer Waffenbesitzkarte------------------------------Foto: Diese Waffen stellte die Polizei bei einem Sammler sicher.