Der Schweizer Ex-Moderator von "Aktenzeichen XY ungelöst" sah sich am Freitag seine Sendung in Kreuzberg an: Zum ersten Mal Toenz ohne Toenz im "Tönz"

Erstmals seit 22 Jahren hat Konrad Toenz Zeit, die Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" im Fernsehen anzusehen. Am vergangenen Freitag nämlich lief die erste Folge nach dem Abschied des Schweizer Moderators von der Verbrecherjagd per Bildschirm. Gemeinsam mit dem Deutschen Eduard Zimmermann und dem Östereicher Peter Nidetzky hatte der Westschweizer Toenz die Zuschauer zu Hinweisen auf flüchtige Kriminelle aufgefordert. Der Erfolg: insgesamt 10 000 Jahre Haft. Für seine Premiere als Zuschauer hat sich die "Ikone der siebziger Jahre" einen passenden Platz ausgesucht. Eingehüllt von den Rauchschwaden seiner Zigarette sitzt der 59jährige Toenz im "Tönz", einer Kreuzberger Bar im perfekten 70er Jahre Stil. Ein Barmann mixt bunte Getränke. Rote, gelbe und grüne Lämpchen glitzern vor Butzenglasscheiben. Die Wand schmückt ein Pantoffelpaar auf Bettvorleger im Goldblattrahmen. Und an der Tür steht ein Mann im schwarzen Smoking."Ich bin immer wieder gefragt worden, ob ich ein Lokal in Berlin besitze, zuletzt von einem Berliner Kollegen in Neu-Dehli. Da habe ich beschlossen, Kontakt mit den Betreibern des "Konrad Tönz" aufzunehmen", sagt der Schweizer Ex-Moderator. "Ich habe mich mit den jungen Leuten hier verabredet."Am vergangenen Freitag um Viertel nach acht war es soweit: Die erste Sendung ohne Toenz mit Toenz im "Tönz" läuft an. Gebannt starren die "Ehrengäste" auf den kleinen Schwarz-Weiß-Fernseher im Hinterzimmer der Bar. Butz Peters, der Moderator, der Ede Zimmermann im vergangenen Jahr im Amt ablöste, begrüßt die Zuschauer. Eine Schlagzeile wird eingeblendet: Sextäter nach Aktenzeichen XY festgenommen. "Optimal!" kommentiert Konrad Toenz und löst heitere Zustimmung aus. Dann fragt Butz Peters: "Kennen Sie Rififi?" - "Ja!", johlen die Gäste - "Rififi ist eine besondere Form des Einbruchdiebstahls "Schließlich aber kommt der tragische Moment: Der Schweizer Nachfolger von Konrad Toenz wird vorgestellt. Er heißt Stephan Schiffer. Die Toenz-Gemeinde begrüßt ihn mit lauten Buh-Rufen. Doch Konrad Toenz Gesicht bleibt davon ungerührt. "Wissen Sie, ich kenne den", sagt er bedeutungsvoll. "Ich war ja früher beim Rundfunk, und der Schiffer war 1973 dort Azubi. Den hat man damals in mein Büro gesetzt."Die weiteren Ausführungen unterbricht das Telefon. "Herr Toenz, der Butz Peters ist am Apparat." - "Butz!", entfährt es dem Gefeierten, und er entschwindet zur Theke."Wir sind kein richtiger Fanclub", sagt Jeannie, eine der beiden Barbesitzer, "es ist alles ein bißchen zufällig gekommen." Sie und ihr Mitbetreiber, Tony Random, kommen ursprünglich aus der Musikbranche. Als ein Name für die Bar gefunden werden mußte, fiel ihnen ein Musiktitel von Tony Random ein. "Das war Konrad Tönz." Der Namensgeber hat sein Telefonat beendet und kommt rüber. "Im Prinzip haben sie meinen Namen geklaut", sagt er grinsend.