Zuerst sieht alles nach einem gemeinen, leicht aufzuklärenden Mord aus: Zwei schwarze Farmarbeiter, einer 15, einer 21 Jahre alt, streiten mit ihrem weißen Boss um den Lohn und erschlagen ihn. Doch dieser südafrikanische Fall ist so speziell, dass der Polizeiminister und sein Chefkommissar die Ermittlungen übernahmen und Präsident Jacob Zuma umgehend und hochnervös das Land zur Ruhe mahnte. Der Mord an dem rechtsradikalen Burenführer Eugene Terreblanche hat das Potenzial, zehn Wochen vor der Fußball-WM, den hinter der Regenbogenfassade in etlichen Ecken und Winkeln lauernden Rassismus und Sozialneid in Südafrika hervorbrechen und in Gewalt umschlagen zu lassen.Ganz speziell an dem Fall ist auch, dass er wie die Erfüllung einer Forderung aussieht, die regelmäßig zehntausende Kehlen junger ANC-Anhänger im Refrain eines beliebten Liedes brüllen: "Kill the Boer", Töte den Buren. Den Vorsänger gibt Julius Malema, Chef des Jugendverbandes der Regierungspartei ANC. Präsident Zuma sah bisher dem radikalen Treiben des jungen Wilden wohlwollend zu. Malema selbst war gestern zu Besuch in Simbabwe und pries die visionäre Politik des dortigen Präsidenten Robert Mugabe. Dessen Jugendbanden haben schon vor Jahren die allermeisten weißen Farmer verprügelt, beraubt und verjagt - Malemas Vision für Südafrika. In diesem Licht ist der Fall Terreblanche zu sehen.