Nichts ist ohne Symbolik an der wieder aufgebauten Dresdner Frauenkirche. Am Sonntag wird sie geweiht. Jeder der alten, mit Brandspuren ins ockerhelle Gemäuer gefügte Sandstein hat sie. Auch das Turmkreuz. Es gibt der Kirche ihre Höhe von 91,24 Metern. Und es ist Zeichen der Versöhnung.Alan Smith, 57, von der Londoner Silberschmiede Grant Macdonald, hat es neu erschaffen und monatelang ehrenamtlich daran gehämmert und gebosselt. Der Silberschmied fühlte sich berufen für diese Arbeit und dass der "Dresden Trust," eine englische Stiftung für den Wiederaufbau der Frauenkirche, gerade dieses Kreuz bei seiner Kunstwerkstatt in Auftrag gegeben hatte, war eine besondere Fügung: Smiths Vater war einer der Piloten, die Dresden in Schutt und Asche legten. Die ausgebrannte Kirche, bedeutendster protestantischer Sakralbau nördlich der Alpen, stürzte ein. Bis zum Wiederaufbau ab 1994 war der Trümmerhaufen Mahnmal. "Als ich davor stand", so Smith, "dachte ich daran, dass mein Vater das nie gesehen hatte, nur die Flammen, als er heim flog. Geredet hat er darüber kaum, er grübelte oft, war sehr verschlossen. Nach seinem Tod erfuhr ich von meiner Mutter, wie sehr ihn sein Gewissen gequält hat."In Dresden sah Alan Smith 1995 das im Feuersturm geschmolzene Kreuz; es hatte unter den Trümmern gelegen. Die Replik war sein erster Großauftrag. "Jeden Tag sehe ich von meiner Werkstatt an der Themse zum Kreuz auf der Kuppel der St. Pauls Kathedrale hoch", sagt er. "In Dresden schauen die Leute ebenso hinauf." Bis ins Detail gleicht Smiths Arbeit der zerstörten: Sie misst 7,60 Meter, wiegt 1,25 Tonnen, das Kupferblech ist mit 24 Karat Blattgold überzogen.Schon einmal war Alan Smith an einer Versöhnungsgeste beteiligt, in den Sechzigern, als Lehrling in Coventry. Die Stadt hatte sich entschieden, ihre von den Deutschen zerbombte Kathedrale als Mahnmal stehen zu lassen. Smith fertigte aus Nägeln der Ruine Kreuze. Eins davon steht in der Dresdner Hofkirche, ein anderes im Diakonissen-Hospital. Coventry und Dresden hatten - trotz Kaltem Krieg - zur Partnerschaft gefunden.Beide Städte verbindet gleich Erlittenes. "Coventrieren" nannten die Nazis zynisch den Bombenangriff auf die englische Industriestadt in der Nacht zum 15. November 1940. Dresden traf der Feuersturm am 13. Februar 1945. Brand- und Sprengbomben zerstörten beide Städte binnen weniger Stunden. 1994 beschlossen die Bürger von Dresden, ihre Frauenkirche wieder aufzubauen und die Bürger von Coventry, nach Kräften zu spenden. 1998 wurde Alan Smiths Kuppelkreuz für Dresden in der Ruine der Kathedrale zu Coventry ausgestellt, später in der St. Pauls Kathedrale von London. Am Sonntag sieht er es vom Dresdner Neumarkt aus hoch oben auf der neuen Kuppel. Er werde, sagt er, sehr an seinen Vater denken.------------------------------Foto: Alan Smith Silberschmied aus London