Jens Nagel ist auf Wohnungssuche. Eine reicht ihm aber nicht, es sollen ein paar mehr sein. Jens Nagel, 35 Jahre alt, ist Geschäftsführer des größten privaten Wohnungsunternehmens Schwedens, der Firma Akelius. In Berlin will er mehrere tausend Wohnungen kaufen. Die Stadt kennt er gut. Hier ist er aufgewachsen. Sein Vater Wolfgang Nagel hat als SPD-Bausenator nach dem Mauerfall rund 70 000 öffentlich geförderte Wohnungen bauen lassen. Die frühere Wohnungsnot hat er damit beseitigt, aber gleichzeitig mehr Wohnungen errichtet als gebraucht werden. Mehr als 100 000 Wohnungen stehen heute leer.Jens Nagel ist lässig gekleidet. Mit Jeans und Cord-Jackett sitzt er in seinem Büro am Potsdamer Platz 11, dem gelben Hochhaus, das Renzo Piano entwarf. Seit einem Jahr arbeitet Nagel für Akelius. Die Firma hat in dieser Zeit mehr als 2 000 Wohnungen in Deutschland gekauft: 300 in Erlangen, 310 in Hamburg, 270 in Rostock und rund 1400 in Berlin. Überall dort, wo die Schweden eine positive wirtschaftliche Entwicklung erwarten, investieren sie, sagt Nagel. Die Akelius-Wohnungen in der Hauptstadt sind über mehrere Bezirke verteilt: sie liegen in der Spandauer Sedanstraße, in einem Hochhaus am Ruhwaldpark in Westend, an der Brettnacher Straße in Zehlendorf, an der Schnellerstraße in Treptow, der Aroser Allee in Reinickendorf und in Alt-Hohenschönhausen. Alles keine geförderten, sondern frei finanzierte Wohnungen.Eine Villa für den ChefMit dem, was er bisher gekauft hat, will sich Nagel nicht begnügen. Eine bis anderthalb Milliarden Euro will das Familienunternehmen Akelius in den nächsten fünf Jahren in Deutschland investieren. Einen Großteil davon in der Hauptstadt. 5 000 Wohnungen in Berlin seien als Ziel "keine unrealistische Größenordnung", so Nagel. Firmenchef Roger Akelius gefällt die Stadt so gut, dass er sich selbst schon eine Villa in Dahlem gekauft hat.Klein müssen die Wohnungen sein, die die Schweden in Berlin kaufen wollen, und die Mieten dürfen nicht zu hoch sein. Genau solche Wohnungen werden in Zukunft in der Hauptstadt gefragt sein, meint Nagel. Denn die Kaufkraft nimmt kaum zu, aber die Zahl der Single-Haushalte steigt.Akelius interessiert sich für die Wohnungen in Berlin, weil die Preise hier im internationalen Vergleich niedrig sind und gute Wertsteigerungen erwarten lassen. 850 Euro je Quadratmeter Wohnfläche hat die Firma hier im Schnitt gezahlt, sagt Nagel. Eine vergleichbare Wohnung in Stockholm würde 1 250 Euro pro Quadratmeter kosten. Im Gegensatz zu Finanzinvestoren, die mal in Öl, mal in Schiffsbeteiligungen oder Wohnungen investieren und ihre Anteile bei Bedarf schnell wieder abstoßen, will Akelius die Wohnungen langfristig behalten, sagt Nagel. Mit schnellen Gewinnen durch rasch steigende Mieten rechnen die Schweden nämlich nicht. Nagel glaubt, dass Mietsteigerungen von 3,5 bis 4,5 Prozent jährlich drin sind. Sogar mit weniger würde Akelius auskommen. "Wir kommen klar, wenn die Mieten mit der Inflationsrate steigen", sagt Nagel. Dass manche anderen Käufer anders handeln und es sich mit den Mieter verscherzt haben, weiß auch er. "Man muss Vertrauen erwerben und zeigen, dass man kein kurzfristig denkender Finanzinvestor ist, der die Wohnungen verlottern lässt und schnell weiterverkauft", sagt Nagel.Eine CD als GeschenkMieterzufriedenheit sei Akelius besonders wichtig. Nur wenn der Mieter zufrieden sei, könne auch der Eigentümer zufrieden sein, sagt Nagel. Um zu zeigen, dass dies dem Unternehmen wichtig ist, bekommen die 29 000 Mieter von Akelius in Schweden jedes Jahr zu Weihnachten ein Geschenk. In diesem Jahr gibt es eine CD mit Melodien von Mozart. Auch die mehr als 2 000 Mieter in Deutschland erhalten nun eine CD.Der Umgang im schwedischen Unternehmen unterscheidet sich von dem in deutschen Firmen. Die Schweden duzen sich untereinander und treffen sich ein bis zwei Mal täglich zur Fika. Das ist eine gemeinsame Kaffeepause, bei der vom Firmenchef bis zur Sekretärin alle in einem Raum zusammen kommen. Eine gute Gelegenheit, um die Mitarbeiter aus den Büros herauszuholen und ungezwungen Informationen auszutauschen, sagt Nagel. Die Fika werde nun auch in Berlin abgehalten.Allerdings in kleinerem Rahmen - bislang arbeiten nur vier feste Mitarbeiter im Akelius-Büro am Potsdamer Platz, weitere drei sollen 2007 eingestellt werden. Einer der vier ist in Berlin ebenfalls bekannt: der frühere Baustadtrat von Prenzlauer Berg, Matthias Klipp. Mit ihm hat Nagel in den 90er-Jahren bei der Bankgesellschaftstochter Bavaria gearbeitet. Nagel verließ die Bavaria 1998 und ging ein Jahr lang nach Schweden. Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt auf Rügen kehrte er 2000 nach Schweden zurück, wo er heute noch mit seiner Frau und seinem Sohn lebt. Mindestens einmal pro Woche fliegt er in sein Büro nach Berlin.Ein Rat vom VaterDass er der Sohn des früheren Bausenators ist, habe auf seine Geschäfte keinen Einfluss, meint Jens Nagel. "Die Leute verhandeln dadurch nicht freundlicher." Auch habe sein Vater in der Politik nicht nur Freunde gehabt. "Die Geschäfte, die wir in Berlin gemacht haben, kamen nicht über ihn zustande." Sein Vater stehe ihm aber mit Rat und Sachverstand zur Seite, sagt er. Allerdings berät sein Vater seit Jahren Investoren in der Immobilienbranche - auch solche, die Wohnungen kaufen wollen. Wenn Vater und Sohn feststellen, dass sie beide an der gleichen Sache dran sind, werden sie plötzlich ganz verschwiegen, erzählt Jens Nagel. "Dann wird darüber nicht mehr geredet."------------------------------Foto: Statthalter in Berlin: Jens Nagel investiert das Geld seiner schwedischen Arbeitgeber in der deutschen Hauptstadt und kauft Wohnungen.