BERLIN. Lang mahlen die Mühlen der Justiz. In der Schweiz mahlen die Mühlen immer etwas länger. Doch nun ist Bewegung gekommen in einen Korruptionsfall, der den Weltsport erschüttern könnte. Das Strafgericht des Kantons Zug teilte in aller Stille mit, dass "im Frühling 2008" die Hauptverhandlung im sogenannten ISL-Bestechungsskandal stattfindet. Den Beschuldigten, sechs Managern des vormaligen Sportmarketinggiganten ISL und der Mutterholding ISMM, drohen Zuchthausstrafen zwischen drei und viereinhalb Jahren.Die Ermittlungen gegen die ISL-Gruppe wurden im Mai 2001 eingeleitet. Es war nach der Swiss-Air-Pleite der zweitgrößte Konkurs in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Die ISL hat seit Anfang der Achtzigerjahre mit den lukrativsten Marketingrechten des Weltsports gedealt. Sie makelte Sponsoren- und TV-Verträge für das Internationale Olympische Komitee (IOC), den Fußball-Weltverband Fifa, den Leichtathletik-Weltverband IAAF, den Basketball-Weltverband Fiba und viele andere mehr. Nachdem das IOC sich im Dezember 1995 von der ISL getrennt hatte, meldete sich die Firma im Sommer 1996 mit einem spektakulären, dubiosen Milliardendeal zurück: Gemeinsam mit Leo Kirch wurden der ISL-Gruppe die TV-Vermarktungsrechte für die Fußball-WM 2002 und 2006 zugesprochen. Es gab viele Anhaltspunkte dafür, dass es nicht mit rechten Dingen zugegangen ist.Inzwischen liegen sogar mehrere gerichtsfeste Belege vor, dass die ISL/ISMM im Laufe der Jahre ein weitreichendes Bestechungssystem mit Schwarzkonten in Steuerparadiesen und Stiftungen - wie die Nunca in Liechtenstein - unterhalten hat. So wird in einem Urteil des Schweizer Bundesgerichts festgehalten, dass derlei Stiftungen dazu dienten, hohe Funktionäre des Weltsports zu bestechen, um an die Marketingrechte zu gelangen. Hierzu soll der Prozess Aufschluss geben.Die Anklageschrift umfasst 228 Seiten. Es geht um Vermögensdelikte wie Betrug, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung. Im Zusammenhang mit diesem Verfahren wurde 2004 ein ominöser Vergleich geschlossen, den Fachleute gern als Korruptionsverdunkelungsvertrag bezeichnen. Dies war Ausgangspunkt für weitere Ermittlungen des Untersuchungsrichters und für Bürodurchsuchungen beim Fifa-Präsidenten Joseph Blatter. Im Mittelpunkt dieser Affäre steht der langjährige ISL-Manager und Blatter-Vertraute Jean-Marie Weber.------------------------------Foto: Auf dem Weg ins Zuchthaus? Blatters Duzfreund Jean-Marie Weber (l.).