KÖLN. Eine Stahlzange krallt sich ins Auge des Teddybären. Und zieht daran, immer heftiger und heftiger. Doch sein braunes Knopfauge lässt mehrere Sekunden lang nicht locker - und schließlich hat der Teddy die Prüfung bestanden. Das rundliche Kuscheltier kann den kantigen Apparat namens Zugprüfmaschine verlassen. "Die Maschine entwickelt bis zu 90 Newton Zugkraft, so viel Kraft kann ein Kind im Höchstfall haben", erklärt Ralf Diekmann, Sprecher des TÜV Rheinland in Köln. Ein Kind könnte im schlimmsten Fall das Auge herausdrehen und verschlucken. Das darf nicht sein.Deshalb quält der TÜV die Bären im Namen der Sicherheit. Und nicht nur die, sondern Spielzeug aller Art, gefertigt von deutschen und ausländischen Herstellern: von der Quietschente bis zum Fahrrad, von der Spieluhr bis zum ferngesteuerten Rennwagen. Denn damit kann viel passieren. "Ein Produkt muss für den Verbraucher unbedingt sicher sein", betont Diekmann. Wenn alles gut läuft, vergibt der TÜV am Ende der Teststrecke begehrte Qualitätssiegel: "GS" für Geprüfte Sicherheit oder den "TÜV Proof", je nach Produkt. Grundlage der Prüfung können auch nationale Gesetze sein - je nach Verkaufsland - oder die europäische Spielzeugrichtlinie, erkennbar durch die CE-Kennzeichnung.Gezündelt wird am FußDoch ein einziger Teddy hält diese ganze Quälerei gar nicht aus. Also muss eine ganze Bärenfamilie ran. "Der Hersteller schickt uns immer mehrere Produkte", sagt Ralf Diekmann. Zunächst legen die Spielzeugtester eine Akte über sie an, mit Foto und Pass. Am schlimmsten erwischt es jenes Kuscheltier, das zum Feuertest in den Ofen muss. Ein Teddy darf nur sehr langsam brennen. Das Spielzeug soll schließlich kein Brandbeschleuniger sein. Gezündelt wird am Bärenfuß. Dann wird die Zeit gestoppt, bis die Flamme ganz oben angekommen ist. "Weniger als drei Zentimeter pro Sekunde", sagt Diekmann, seien die Norm.Doch wenn ein Kind spielt, kann noch ganz anderes Unheil passieren. Zumindest mit Billigprodukten. Die 30 Spielzeugkontrolleure prüfen deshalb Mechanik, Chemie und Elektrik der Ware. Sie schlagen, drücken und zerren an einer Rassel herum, um zu erforschen, ob irgendwann das Innerste nach außen kommt, also das Granulat herausplatzt und einen Säugling dazu verführen könnte, es zu schlucken. "Spielzeug für Kinder unter drei Jahren kommt in ein besonders hartes Prüfprogramm", sagt Christina Reiners, Textilingenieurin und Leiterin der Spielzeugprüfung. Vor allem die Kleinsten untersuchen vieles gern mit dem Mund. Auch lose Schnüre und längere Schleifen sind gefährlich, weil sich ein Kind damit strangulieren könnte.Die TÜV-Leute fahnden auch nach versteckten Schadstoffen im Spielzeug. Christina Reiners und ihre Kollegen wollen wissen: "Was könnte sich herauslösen, wen ein Kind daran nuckelt?" Zum Beispiel Formaldehyd im Holzspielzeug, oder die gefürchteten Weichmacher in Plastikprodukten. Die Spielzeugprüfer testen ferner Knöpfe auf Nickel, das Allergien auslösen kann. Sie stecken lange Nadeln in Plüschelefanten mit eingebauten Spieluhren, um sicher zu gehen: Laufen die Batterien nicht aus? Kommt es vielleicht zu einem Kurzschluss, wenn ein Kind das gleiche probiert? Die Kontrolleure horchen auch nach, ob Spieluhren vielleicht wahre Lärmmaschinen sind, denn Säuglinge haben empfindsame Ohren.Bei härteren Tests tritt "ET" an. Der außerirdische TÜV-Prüfer ist ein Stahlmännchen, das sich an Kinderfahrräder schrauben lässt. "Der wiegt 50 Kilo", so Sprecher Ralf Diekmann. Sitzt der schwere Junge dann auf dem Rad, lassen ihn die Prüfer mit Karacho gegen eine Stufe fahren. Immer wieder. Und danach untersuchen sie, ob es Bruchstellen gegeben hat.Der TÜV ist keine amtliche Aufsichtsbehörde, sondern konkurriert mit anderen Prüfunternehmen. Deshalb ist Service angesagt. "Die meisten Sachen werden heutzutage in Asien produziert", erzählt Prüfchefin Christina Reiners. Der TÜV kontrolliert deshalb auch weltweit vor Ort, um die Wege zum Kunden kurz zu halten. Für die Spielzeughersteller bleibt die Qualitätskontrolle immer freiwillig. Sie verantworten die Sicherheit ihrer Produkte selbst. Doch ein TÜV-Zertifikat ist immer auch ein Verkaufsargument. 60 Prozent aller Produkte bestehen den TÜV-Test sofort, 30 Prozent zeigen leichte Mängel (dann fehlen zum Beispiel Warnhinweise). Zehn Prozent fallen durch, kommen aber meist wieder - vom Hersteller entsprechend verbessert.------------------------------Damit nichts schiefgehtDas CE-Zeichen bedeutet, dass das Spielzeug der Europäischen Richtlinie für Spielzeuge entspricht. Jedes Spielzeug, das in Europa vertrieben wird, muss den Kriterien dieser Richtlinie genügen. Die Sicherheitsnormen sind für alle EU-Länder gleich.Viele Hersteller lassen die Sicherheit ihres Spielzeugs bei zugelassenen Prüfstellen (z.B. TÜV, Dekra) bestätigen. Die Produkte tragen dann das GS Zeichen für "Geprüfte Sicherheit".Die Stiftung Warentest prüft als eine unabhängige Jury ebenfalls die Produkte. Spielzeugtests sind allerdings eher selten.------------------------------Foto: Opfer für die Sicherheit: Teddy im Feuertest.