Das ist nur konsequent: Eric Markuse, vier Jahre lange Chef der MDR-Welle Sputnik, verlässt den Radiosender, nachdem Sputnik, wie er Kollegen schrieb, "in kürzester Zeit zu einer weiteren MDR-Popwelle umgebaut wurde und die von mir vor vier Jahren angesteuerte Position eines multimedial ausgerichteten Jugendkultur-Programms verlassen musste." Markuse geht also, weil er nicht mehr erträgt, was der MDR aus Sputnik macht.Sputnik positionierte sich als Nachfolger des legendären DDR-Jugendradios DT64 - als frischer Sender, der dem Mainstream abschwor und eigene Akzente setzte. In der Auswahl der Musik, vor allem aber in seiner Art, über das Geschehen in der Welt zu berichten. Und weil dem MDR für Sputnik eine Frequenz in seinem gesamten Sendegebiet aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bis heute verwehrt wird, machte der Kanal aus dieser Not zudem eine Tugend: Sputnik wurde Vorreiter, wenn es darum ging, die Jugend digital zu erreichen. Etwa über das Netz.Während sich der Radiosender auch unter Markuse über Jahre weitgehend dem Quotendruck widersetzen durfte, der auch gebührenfinanzierte Programmmacher bekanntlich nicht verschont, war damit im laufenden Jahr Schluss. Hörfunkdirektor Johann Möller holte sich dafür sogar einen ins Haus, der die Maschen der Privaten in- und auswendig kennt: Ulrich Manitz. Der war einst bei den RTL-Radiosendern und zuletzt für die Inhalte beim arg glatten rheinland-pfälzischen RPR1 zuständig und verpasste auch Sputnik prompt einen privaten Anstrich.Zusammen mit Manitz, der seit Februar Berater für "zentrale Aufgaben" des MDR-Hörfunks ist, hat Hörfunkchef Möller dem in Halle stationierten Sender ein neues Konzept aufgedrückt. Fester Bestandteil seit diesem Sommer ist etwa die "Hot Rotation", eine Liste an Musiktiteln, die keine Redakteure mehr zusammenstellen, sondern teure Marktforschung. Sie beinhaltet Titel, die zwingend mehrfach am Tag laufen müssen, um den Geschmack der Masse zu bedienen. Gleichzeitig wurde die Information im Programm gekürzt, darunter englischsprachige Nachrichten aus aller Welt, ausgerichtet auf die moderne Wissenselite, die für Onlineabrufe des Kanals auch außerhalb des MDR-Reichs sorgte. Mit dieser Programmreform, die nicht mal den eigenen Hörern erläutert wurde, macht Sputnik nun noch mehr von dem, was der eigentlich als dezidierte Pop-Welle positionierte MDR-Kanal Jump soll: mit fröhlichem Einheitsbrei den privaten Kanälen Hörer abjagen.Zuletzt hatte Markuse versichert: "Wir werden unser Programm noch austarieren", denn so, wie es jetzt sei, werde "Sputnik nicht bleiben". In seiner eigenen Redaktion hofften sie da, Markuse werde die ihm von oben diktierte Reform schon ebenso still und heimlich zurückdrehen, wie er sie im Sommer im Programm umsetzen musste. Nun schreibt er: "Jetzt braucht Sputnik einen Chef, der hinter dem neuen Programmkonzept steht, es kreativ ausfüllt und mit Überzeugung nach innen und außen vertritt."Seinem Nachfolger Reinhard Bärenz wünschte Eric Markuse zwar noch in aller Eile "viel Glück und Erfolg". Das einstige Sputnik aber, das für öffentlich-rechtlichen Mehrwert stand wie keine andere auf die Jugend gerichtete ARD-Welle, scheint mit seinem Abgang nun endgültig verloren.------------------------------Foto: Eric Markuse gibt seinen Posten auf.

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