Selbst eine so lange, bewegte Musikerkarriere wie die von Sonny Thet hält noch Überraschungen bereit. Der aus Kambodscha stammende Cellist steht seit fast vierzig Jahren auf der Bühne. Er hat mit der Multikulti-Gruppe Bayon die große Welt in die kleine DDR geholt, später Künstler wie Rio Reiser, Sophie Rois und Katja Riemann begleitet und gerade sein drittes Solo-Album "Cello Royal" veröffentlicht.Doch auf einmal durfte er eine ganz neue Rolle spielen: Er war der Cello-Papa von Anthony Thet. Der Sohn trat wochenlang bei der TV-Casting-Show "X-Factor" vor mehr als zwei Millionen Fernsehzuschauern auf und schaffte es fast bis ins Finale. Bei seiner Version des Red-Hot-Chili-Pepper-Klassikers "Under The Bridge" ließ sich Anthony von Papa Sonny auf dem Cello begleiten. Ein bewegender Moment, der weit über die Grenzen der Show hinauswies: Was zählte die Meinung einer Jurorin wie Sarah Connor angesichts dieses Zusammenspiels von Vater und Sohn? Auch wenn Anthony und Sonny getreu ihrer kulturellen Herkunft öffentlich eigentlich keine Gefühle zeigen wollten - hier ließ es sich nicht verhindern. Am Ende heulte nicht nur Frau Connor.Sonny Thet war 1969, im Alter von gerade mal 15 Jahren, vom kambodschanischen Prinzen Sihanouk zum Musikstudium nach Weimar geschickt worden. Zu jung sei er für diese Reise in die Fremde nicht gewesen: "Wir Asiaten sind doch mit 15 erwachsen." Er lernte seine spätere Frau Mara kennen und gründete die Gruppe Bayon mit, die nach einem Tempel im kambodschanischen Angkor benannt war und Musiker von drei Kontinenten vereinte. Die Band, die sich bis heute immer wieder zusammenfindet, nahm zu DDR-Zeiten drei Alben auf und war im Fernsehen zu sehen, zum Beispiel in der Jugendsendung "rund".In diesem Jahr wurde Bayon mit dem Deutschen Weltmusikpreis "Ruth" ausgezeichnet. Sonny Thet fühlt sich geehrt, kann aber mit dem Begriff Weltmusik nicht viel anfangen: "Weltmusik - das ist für mich der bunte Umzug beim Karneval der Kulturen." Er nennt die Klänge, die er mit Bayon und solo spielt, lieber "Neue Klassik". Sein neues Album "Cello Royal" vereint Motive aus seiner Heimat mit Adaptionen von Songs von Rio Reiser und Gerhard Gundermann und zieht den Hörer in seinen Bann. Während er mehr Platten im Ausland als in Deutschland verkauft, ist er hierzulande vor allem als Bühnenmusiker gefragt - so sehr, dass er gerade eine Auszeit vom Theater nimmt. Schon in der DDR hatten Sonny Thet und seine Kollegen häufig für Theater gespielt. Wolfgang Borcherts Nachkriegsdrama "Draußen vor der Tür" bekam für ihn eine dramatische Dimension - als er erfuhr, dass seine Eltern daheim dem Pol-Pot-Regime zum Opfer gefallen waren. Sonny Thet reist seit den 90er Jahren alljährlich in seine Heimat und unterstützt Hilfsprojekte: "Ich will dem Land einfach etwas zurück geben."Sohn Anthony ist 1980 in Weimar geboren und 1988 mit der Familie von Thüringen nach West-Berlin gezogen, weil die DDR-Behörden Vater Sonny den Reisepass entziehen wollten. Anthony hatte als Kleinkind Vaters Cellospiel stets im Ohr, fand seine musikalischen Anregungen aber nicht in der Klassik oder in Kambodscha, sondern im Sonnenschein-Pop in Kalifornien, wo Verwandte leben. Erste Erfolge hatte er als Gitarrist für die Band Ich+Ich sowie mit der Poprock-Band Asher Lane, deren Hit "New Day" als Werbehit für eine Handcreme in 90 Ländern gespielt wurde. Bei der Casting-Show "X-Factor" probierte sich Anthony erstmals als Sänger aus, überzeugte mit seiner souligen Stimme vor allem bei Titeln wie "Walk This Way" oder "Purple Rain".An der Show hatte der BWL-Student nur teilgenommen, weil hier nicht das Private, sondern die Musik im Mittelpunkt stehen sollte. Anthony vertraute dabei auf das Mitwirken von Jazzgröße Till Brönner, der in der Show sein Mentor wurde und ihn bis heute unterstützt. Im nächsten Jahr will Anthony Thet mit seinem Solo-Debüt durchstarten - und natürlich soll Papa Sonny mit seinem Cello dabei sein.-----------------------Sonny Thets Album "Cello Royal" ist beim Label Buschfunk erschienen------------------------------Foto: Wenn der Vater mit dem Sohne ... Sonny und Anthony Thet im Café Gagarin in Prenzlauer Berg.