CHARLOTTENBURG. Für gewöhnlich sind die Arbeiten am Charlottenburger Tor nicht zu sehen, denn restauriert wird hinter einer großen Plane. Gestern aber gab es doch etwas fürs Auge: Mit Hilfe eines großen Krans wurde am Mittag eine 4,80 Meter hohe Vase auf den südlichen Flügel gehievt - an ihren angestammten Platz. Die drei Tonnen schwere Skulptur ist allerdings nur eine Kopie, denn die Originalvase war zu schwer zerstört und konnte nicht restauriert werden. Wegen ihres großen Gewichts wurde die neue Vase scheibchenweise angehoben und erst ganz oben montiert.Mit dem Aufsetzen der Vase sind die meisten Arbeiten am südlichen Flügel erledigt: Seit August 2004 waren zunächst die Schäden aufgenommen worden. Dabei wurde jeder einzelne Stein untersucht und beide Torhälften zugleich mit einem Spezialverfahren vermessen - per Hand. Aus 20 Millionen Messpunkten konnte so ein 3-D-Modell des Tores gefertigt werden. Danach wurde der Fugenmörtel, der die weichen Tuffsteine des Tores zusammenhielt, entfernt - auf einer Länge von mehreren Kilometern. An der Bundesanstalt für Materialforschung wurde extra ein farblich passender Ersatz entwickelt. Schließlich wurden die Steine mit Aluminiumgranulat gereinigt und ausgebessert. "Damit ist die eine Hälfte des Tores so gut wie fertig", sagte gestern Helmut Engel, Geschäftsführer der Stiftung Denkmalschutz, die die Sanierung des Tores ermöglicht. "Jetzt fehlt am Flügel nur noch die Blechverschalung, die die Gesimse vor Niederschlag schützt."Auch auf der anderen Hälfte des Tores hat sich bereits viel getan: Die Reinigung der Oberfläche ist abgeschlossen, der alte Fugenmörtel entfernt. Nun gehen die Steinmetze der Firma Nüthen Restaurierungen GmbH ans Ausbessern.Etwa 1,8 Millionen Euro kostet die Sanierung des Tores. Noch in diesem Jahr soll sie beendet werden. Das Charlottenburger Tor war vor fast hundert Jahren als Pendant zum Brandenburger Tor an der Grenze zur damaligen Stadt Charlottenburg errichtet worden. Während der Nazizeit wurden beide Torhälften voneinander getrennt: Sie sollten Platz machen für den geplanten Ausbau der Ost-West-Achse. Als Tor im herkömmlichen Sinne war das Bauwerk danach nicht mehr zu erkennen. Erst jetzt, mit der Sanierung, ist dieser Effekt wieder da - wegen des Gerüsts, das die etwa 30 Meter voneinander entfernt stehenden Torhälften über die Straße des 17. Juni hinweg verbindet.Nach dem Ende der Bauarbeiten schrumpfe das Tor wieder auf seine eigentliche Dimension zurück, erklärte Engel. Um das Bauwerk zu betonen, sei der Stiftung viel daran gelegen, auch das historische Umfeld des Tores wieder aufleben zu lassen. So sollen auf der Charlottenburger Brücke auch zwei historische Laternen wieder aufgebaut werden. Auch die Brücke selbst soll zum Verweilen einladen: Die Idee ist, aus der Brüstung Elemente herauszunehmen und als Sitzelemente zu verwenden. Durch die Lücken in der Brüstung kann man dann auf den Landwehrkanal schauen.------------------------------Foto: Diese Vase ziert jetzt wieder das Tor.------------------------------Foto: Hinauf aufs Charlottenburger Tor: Das Unterteil der 4,80 Meter hohen Tuffstein-Vase wurde gestern Mittag mit einem Kran nach oben gehievt.