FRIEDRICHSFELDE. Die Kreishornschafe und Bezoarziegen sind aufgeregt. Ständig laufen sie hinter dem Zaun auf und ab. Und es sieht aus, als wundern sie sich über die vielen Menschen. "Die Tiere müssen sich an ihr neues Zuhause und an die vielen Menschen erst noch gewöhnen", sagt Bernhard Blaszkiewitz, der Direktor vom Tierpark Berlin. Gestern weihte er gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und etwa 500 Tierparkfreunden ein neues Gelände an der östlichen Grenze des Tierparks ein. Zu DDR-Zeiten wäre es unmöglich gewesen, den Tierpark an dieser Stelle zu erweitern. Denn das acht Hektar große hügelige Areal an der Bundesstraße 1 galt einst als verbotene Zone. Der Grund: Direkt daneben, an der früheren Straße der Befreiung, befanden sich bis zur Wende die Bezirksverwaltung Berlin des Ministeriums für Staatssicherheit und vier Kreisdienststellen. Und die wollten auf gar keinen Fall, dass ihnen Tierparkbesucher oder -mitarbeiter von dem Trümmerberg in die Fenster schauen. "Die Umgebung der Stasi-Zentrale wurde sicherheitsmäßig abgesichert", sagte Ehrhart Neubert von der für Stasi-Unterlagen zuständigen Bundesbehörde. 16 Hektar des Tierpark-Areals okkupierte die Stasi für sich. In der Birthlerbehörde gibt es dazu umfangreiche Akten. Noch heute sind die verzierten Sichtblenden aus Beton hinter dem Affenhaus zu sehen. Jetzt ist das "Friedrichsfelder Gebirge" Heimstatt für asiatische Ziegen, Schafe und Hirsche. Einige Tiere, wie der Riesenseeadler, sind innerhalb des Tierparks umgezogen, die sibirischen Luchse ein Geschenk des Zoos in Wuppertal. "Die Tiere haben jetzt alle viel Platz", sagte der Tierpark-Chef. Der Trümmerberg, auf dem sich die neue Anlage befindet, war nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. An einigen Stellen ist der Berg bis zu 67 Meter hoch. Das ist ein ideales Gelände für die Gebirgstiere, sagte Blaszkiewitz. Die Deutsche Klassenlotterie Berlin hat den Bau der Gehege mit drei Millionen Euro finanziert. Fünfeinhalb Monate dauerten die Bauarbeiten. Geplant ist, auf dem Trümmerberg auch noch Gehege für europäische Tiere, darunter Elche, Gämsen und Alpensteinböcke zu bauen. Der nächste Finanzierungsantrag wird jetzt an die Klassenlotterie gestellt. Der Regierende Bürgermeister brachte zur Eröffnung frohe Kunde: Klaus Wowereit versicherte, dass der Tierpark nicht geschlossen werde. Noch vor zwei Monaten stand die Anlage auf einer internen Streichliste des Finanzsenators. Wowereit sagte, der Tierpark und der Zoologische Garten hätten ihre Existenzberechtigung. "Die Stadt ist groß genug dafür", sagte Wowereit.Fast 10 000 Tiere // Gründung: Der Tierpark Friedrichsfelde wurde Anfang der 50er-Jahre rund um das gleichnamige Schloss errichtet. Das damals 60 Hektar große Gelände wurde am 2. Juli 1955 eröffnet. Gründer war der Leipziger Zoologe Heinrich Dathe. Heute umfasst der Tierpark eine Fläche von 160 Hektar.Neubauten: Nach und nach wurden zahlreiche neue Anlagen errichtet, darunter die Eisbärenanlage (1957), das Bärenschaufenster (1959) und das Alfred-Brehm-Haus (1963). Zu den neueren Bauten gehören das Tropenhaus (1987) und das Dickhäuterhaus (1989).Tierarten: Die ersten Bewohner des großen Parks wurden von Betrieben gespendet. Heute leben dort fast 10 000 Tiere in tausend Arten, darunter die weltweit nur noch in Zoos lebenden Bartgeier und Somalie-Huftiere.Futter: Jährlich fressen die Tiere im Tierpark rund 670 000 Kilo Heu, 108 000 Kilo Fleisch und 3 400 Kilo Brokkoli. 2 000 Liter Milch werden jährlich getrunken.