Das war passiert: Auf einem morgendlichen Rundgang kamen der Tierpark-Chef und die Kuratoren auch am Lama-Gehege vorbei. "Dort war ein Wurf Katzen", sagt die frühere Betriebsratsvorsitzende Ursula Rahn, die den Vorfall jetzt öffentlich gemacht hat. Eine Kollegin habe ihr damals davon berichtet. Blaszkiewitz soll wütend geworden sein und habe die vier Katzenbabys vor den Augen der Mitarbeiter erschlagen. "Die Beteiligten waren entsetzt."Zoo- und Tierpark-Chef Blaszkiewitz hat den Vorfall bestätigt, stellt ihn etwas anders dar und rechtfertigt sein Handeln. Die etwa sieben Tage alten Tiere seien verwildert gewesen. Und da solche Katzen Krankheiten übertragen können, habe er in ihnen eine Gefahr für den Tierpark gesehen. "Ich habe ihnen artgerecht das Genick gebrochen", sagt Blaszkiewitz. Die Empörung darüber ist groß: Per E-Mail ging am Freitag eine Morddrohung gegen Blaszkiewitz ein. Er erstattete daraufhin Anzeige gegen Unbekannt.Jörg Luy, Leiter des Instituts für Tierschutz, Tierverhalten und Labortierkunde der Freien Universität, bezeichnet die Tötungsart der Katzen als "alte Bauernmethode", die laut Gesetz nicht erlaubt sei. "Und auch ein Tierpark-Direktor darf nicht einfach so ein Wirbeltier töten", sagt er. Selbst wenn ein vernünftiger Grund gegeben wäre, hätten die Katzen zuvor betäubt werden müssen - das schreibe das Tierschutzgesetz vor (siehe unten). "Die Betäubung ist allerdings Tierärzten vorbehalten", so der Institutsleiter. Die Tötung der kleinen Katzen sei "unverhältnismäßig" gewesen. Zur Gefahrenabwehr hätte es gereicht, sie aus dem Tierpark zu schaffen. Mit seinem Handeln, so Jörg Luy, scheint Blaszkiewitz nicht nur gegen das Tierschutzgesetz verstoßen zu haben, sondern auch "ganz sicher gegen das Moralempfinden vieler Menschen". Dies sollte jemandem in seiner Position nicht passieren."Die Tötung war weder artgerecht noch moralisch vertretbar", sagt auch der Sprecher des Tierschutzvereins, Marcel Gäding. Blaszkiewitz gebe sich als Herrscher über Leben und Tod, "das ist ungeheuerlich". Verwunderlich sei aber, dass der Vorfall erst jetzt bekannt gemacht wurde."Die Zeugen des Vorfalls haben aus Angst um ihre Jobs geschwiegen", sagt Ursula Rahn, die 2001 im Tierpark aufgehört hat. Sie selbst habe das Schweigen gebrochen, um die Situation von Belegschaft und Tieren zu verbessern. "Die Fachkompetenz von Blaszkiewitz ist nicht strittig, aber er regiert wie ein halber Gott."Jochen Siewers, der Aufsichtsratschef der Zoo AG, erklärte, das Vorgehen von Blaszkiewitz sei "nicht zu kritisieren". Er habe sich für "einen schnellen Tod" der Katzen entschieden, und die Art und Weise war 1991 angebracht."Anders sieht das der Berliner Tierschutzbeauftragte Klaus Lüdcke: "Ich habe nichts dagegen, wenn frei lebende Katzen eingefangen werden." Die Tiere hätten aber doch einfach ins Tierheim gebracht werden können. Er habe Blaszkiewitz um ein Gespräch gebeten, "danach werde ich mich zum Thema äußern". Lüdcke forderte eine Debatte auch auf politischer Ebene.Das könnte bereits in zwei Wochen passieren: Die FDP im Abgeordnetenhaus hat beantragt, dass sich der Gesundheitsausschuss mit dem Thema beschäftigt. "Es soll eine Anhörung zum Thema Tierschutz geben", so der tierschutzpolitische Sprecher Mirko Dragowski. "Und dabei sollen alle Beteiligten zu Wort kommen."------------------------------"Ich habe den Katzen artgerecht das Genick gebrochen."Bernhard Blaszkiewitz------------------------------------------------------------Die VorwürfeAnzeige: Am 17. März erstattete die Grünen-Politikerin Claudia Hämmerling Strafanzeige "gegen den Tierparkdirektor Bernhard Blasz- kiewitz und/oder andere Verantwortungsträger", unter anderem wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Bernhard Blaszkiewitz hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.Getötet: Hämmerling zufolge verschwanden im Jahr 1991 ein Zwergflusspferd sowie eine Kragenbärenfamilie aus dem Tierpark. Sie sollen über den Tierhändler Werner Bode an einen Schlachter im belgischen Wortel gebracht worden sein.Inzucht: Hämmerling kritisiert, dass unter den Giraffen Inzucht betrieben wird. Die Tiere aus diesen Paarungen seien genetisch wertlos und damit für andere Tiergärten unbrauchbar.Wertlose Nachkommen: Durch die Paarung eines schwarzen Panthers mit einem Leoparden (die beide artverwandt sind) sollen ebenfalls genetisch wertlose Nachkommen entstanden sein. Einige seien verstorben, andere wurden an einen Tierhändler abgegeben.Verschwunden: Recherchen des umstrittenen Tierschützers Frank Albrecht zufolge sollen im Tierpark in den vergangenen Jahren bis zu 500 Wildtiere "verschwunden" sein.------------------------------Das besagt das TierschutzgesetzDas Tierschutzgesetz - kurz TierSchG, zuletzt geändert am 18. 12. 2007, regelt unter anderem, ob Tiere und wenn ja, wie und von wem getötet werden dürfen."Töten von Tieren": §4 (1) Ein Wirbeltier darf nur unter Betäubung oder sonst, soweit nach den gegebenen Umständen zumutbar, nur unter Vermeidung von Schmerzen getötet werden . Ein Wirbeltier töten darf nur, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat."Eingriffe an Tieren": §5 (1) An einem Wirbeltier darf ohne Betäubung ein mit Schmerzen verbundener Eingriff nicht vorgenommen werden. Die Betäubung warmblütiger Wirbeltiere . ist von einem Tierarzt vorzunehmen."Straf- und Bußgeldvorschriften": §17 Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer1. ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder2. einem Wirbeltier a. aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder b. länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.(all das galt auch schon 1991)------------------------------Foto (2) :Zu dem kleinen Marderbären war der Tierparkchef 2007 ganz nett. Anfang der 90er-Jahre brach er allerdings vier kleinen Katzen das Genick.Vier Kragenbären sollen verschwunden sein.