DARMSTADT, 12. Juli. Wenn man Lothar Leder auf seine Saisonplanung anspricht, geht der Triathlonprofi reflexartig in die Defensive. Er habe keine Lust mehr, sich zu rechtfertigen. Dadurch verrät er, dass er von dem, was er tut, wohl nicht so ganz überzeugt ist. Fünf Triathlons über die Ironman-Distanz absolviert Leder 2002, der von Roth am Sonntag, wo er bereits dreimal gewann, ist der dritte. Noch nie hat sich ein Triathlet ein derartiges Programm zugemutet.Harte RennenDoch der 31-Jährige überrascht mit der Behauptung, er habe sein Pensum gegenüber dem Vorjahr reduziert. "Ich habe früher je 15 Kurzdistanz-Wettkämpfe gemacht. Jetzt mache ich nur noch fünf." Und die Ironman-Wettkämpfe in Malaysia und Brasilien, wo er im Frühling Zweiter und Dritter wurde, seien reine "Trainingswettkämpfe" gewesen. "Die Deutsche Meisterschaft 2001 über die Kurzdistanz, wo ich mit vollem Einsatz an den Start gegangen bin, war härter als so ein Rennen in Malaysia", meint Leder.Schwer vorzustellen ist es dennoch, wie man einen Wettkampf über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen als lockeres Training nehmen kann. Leder behauptet, er habe nach zehn Profi-Jahren das Fitnessniveau, um derartige Strapazen zu verkraften. Die Frage nach dem sportlichen Sinn solchen Tuns vermag er jedoch nicht schlüssig zu beantworten. Leders langjährige Konkurrenten auf der Ironman-Distanz, Thomas Hellregel und Jürgen Zäck, konzentrieren sich lediglich auf zwei Höhepunkte im Jahr: den Rother Wettkampf oder die Frankfurter Konkurrenzveranstaltung im August, sowie den Ironman auf Hawaii im Oktober. Eine solche Beschränkung, so Leder, liege ihm nicht: "Da bin ich nicht der Typ dazu."Als Vielstarter war er schon immer bekannt, bis zu den Olympischen Spielen in Sydney versuchte er gar, auf der Kurz- wie auf der Langdistanz Spitzenniveau zu halten. Viele halten Leder für das größte Triathlon-Talent - und schreiben es nur seinem Aktionismus zu, dass er es noch nicht geschafft hat, den bedeutendsten aller Triathlons auf dem Pazifik-Archipel zu gewinnen. Mit seinen fünf Langdistanz-Starts ist Leder nun in eine neue Dimension der Verzettelung vorgestoßen.Und wieder klingt seine Begründung zunächst paradox. Müde und satt sei er, und man fragt sich, wie da fünf Ironmans Abhilfe schaffen sollen. Nach elf Starts auf Hawaii habe sich die Faszination abgenutzt und somit auch die Motivation, Hawaii zu gewinnen. Leder, so scheint es, betreibt Triathlon bloß noch mechanisch, geht an den Start, wenn Veranstalter und Sponsoren das wollen. Zwar sei er, wenn einmal der Startschuss gefallen sei, genauso ehrgeizig wie immer. Allerdings habe er keine Lust mehr, 40 bis 45 Stunden pro Woche zu trainieren. 20 bis 25 absolviere er noch, das absolute Minimum für einen Profi.Ob das reicht, um bei einem Rennen wie Roth bestehen zu können, weiß Leder nicht: "Ich möchte ein gutes Rennen abliefern. Wenn dann einer schneller ist, kann ich auch nichts daran ändern." Viel mehr Begeisterung versprüht Leder indes für seine Geschäfte - und auch das ist ein Indiz seiner Müdigkeit. Seit Beginn des Jahres betreibt er einen Lauf-Shop in seiner Heimatstadt Darmstadt: "Ich habe das gebraucht, mal was Anderes zu machen als immer nur zu trainieren." Jetzt sucht er 20 Stunden pro Woche das Sortiment für das Geschäft aus, macht Abrechnungen und berät seine Kunden. "Das macht mir Spaß", sagt er, "da komme ich auf andere Gedanken".Mehr Triathlon-Begeisterung als ihr Mann legt Nicole Leder an den Tag. Sie hat ihre Ironman-Karriere erst nach der Geburt der gemeinsamen Tochter vor drei Jahren begonnen und landete in diesem Jahr in Brasilien, wo Ehemann Lothar Zweiter wurde, ihren zweiten Sieg. In Roth, wo sie 2002 Dritte wurde, zählt sie in zu den Titelanwärterinnen. Lothar Leder ist das recht: "Seit wir uns als Familie vermarkten", berichtet er, "laufen die Sponsoren-Geschäfte besser denn je".Wettkampf der Rekorde // 100 000 Euro Prämie bekommt der Sportler, dem es in Roth gelingt, die Weltbestzeit von 7:50:27 Stunden zu unterbieten. 22 500 Euro erhalten die Athleten, die unter 7:55 Stunden bleiben. Bescheiden nimmt sich dagegen das Preisgeld für den Sieger und die Siegerin aus: Jeweils 10 000 Euro sind ausgelobt.Traditionell gilt Roth als ein Wettkampf der Bestmarken: Lothar Leder, der in den Jahren 1996, 2000 und 2001 gewann, blieb bei seinem ersten Erfolg als erster Triathlet unter acht Stunden (7:57:02). Und 1997 stellte der Belgier Luc van Lierde den noch heute gültigen Weltrekord auf.