MÜNCHEN, im April. Sympathisch sah er nicht aus, eher bemitleidenswert mit seinem Seitenscheitel und dem Dauergrinsen im Mondgesicht. Dazu ein Unterhemd, kurze Hosen und Sportschuhe. Den rechten Daumen hatte er wie ein Anhalter nach oben gereckt. Sein Name: Trimmy. Sein Erfinder: der Deutsche Sportbund, kurz: DSB. Seine Mission: Die Deutschen wieder fit zu machen. Der Grund: Ein Drittel der Männer und 40 Prozent der Frauen hatten Übergewicht und die Zahl der Herzinfarkte war Ende der sechziger Jahre drastisch gestiegen. 1970 wurde Trimmy der Öffentlichkeit vorgestellt und Slogans wie "Ein Schlauer trimmt die Ausdauer" sollten die Bürger vom Sofa in den Stadtpark locken.Rumpfbeugen und BocksprüngeAus der Schweiz importierte der DSB den Trimm-dich-Pfad, den die Lebensversicherung Vita entwickelt hatte. Die Pfade bestanden aus 20 Stationen, die auf drei Kilometer Länge verteilt waren. "In Deutschland gibt es noch etwa 1 500 Trimm-dich-Pfade, die aber nun verrotten", berichtet Oliver Seitz. Der Sportwissenschaftler hat vor vier Jahren in seiner Diplomarbeit untersucht, wieso die Pfade nicht mehr genutzt werden - und welche Übungen noch empfehlenswert sind. Gemeinsam mit dem Spielgerätehersteller PlayParc entwickelte er einen modernen Fitnessparcours mit dem trendigen Namen 4Fcircle - das steht für Fit, Free, Fun, Function. Premiere war in den Isar-Auen in München, es folgten Essen, Augsburg, Magdeburg und Bad Emstal.Die Ur-Trimm-dich-Pfade seien ein toller Erfolg gewesen, so Seitz: Hunderttausende liefen durch den Wald, machten Rumpfbeugen und Bocksprünge, rannten weiter, balancierten auf einem Holzstamm und liefen weiter. Trimmy hatte seine Aufgabe erfüllt und hob anerkennend den Daumen, denn in Umfragen bezeichneten sich 49 Prozent als Trimmer. Kein Wunder, dass der Deutsche Sportbund 1980 jubelnd Bilanz zog. Früher sei es den Jungen und Starken, den Talentierten und Wohlhabenden vorbehalten gewesen, Sport zu treiben: "Nun sind auch die Älteren, die Dickeren, die Frauen, die Leistungsschwachen körperlich aktiv." Die Prinzipien der alten Trimm-Bewegung gelten auch beim 4Fcircle: Die Benutzung ist kostenlos, man trainiert im Freien und jeder kann mitmachen - egal wie alt, groß und geformt er ist. Und selbstverständlich entspricht der Parcours dem aktuellen Stand der Forschung: "Eigentlich hätte man die alten Pfade immer wieder überarbeiten müssen", erklärt Seitz. So sei es kontraproduktiv, zwischen den Übungen längere Strecken zu laufen: "Kaum ist dein Puls in Schwung gebracht, musst du wieder stoppen", sagt der 33-Jährige. Deshalb sind die Module seines Parcours an einem Platz angeordnet. Der 4Fcircle ist wie eine Sportstunde aufgebaut und besteht aus zwei Teilen: Zuerst gibt es Koordinations- und Geschicklichkeitsübungen, danach wird die Kraft trainiert. Schilder erklären die Übungen und geben die Anzahl der Wiederholungen in drei Schwierigkeitsstufen an: Gelb für die Anfänger, grün für Fortgeschrittene, blau für Profis. Am Ende kommt die Ausdauer dran, am besten, indem der Trimmer nach Hause läuft oder radelt. Seitz weiß, dass viele Erwachsene zwar joggen, aber die Muskeln im Schulter- und Rückenbereich nicht trainieren. Dabei werden diese Muskeln beim Sitzen im Büro besonders belastet. Die Aufgabe, länger auf einem Bein zu stehen, überfordert viele.Los geht es mit einer Balancierübung. Während die Profis über ein Seil balancieren, gehen Anfänger über einen Balken und können sich mit beiden Armen festhalten. An den nächsten Stationen muss der Trimmer die "Wackelbrücke" überqueren und schnell durch am Boden liegende Autoreifen laufen. Beliebt ist das "Zielwerfen": An drei Basketballkörben aus Metall sind mit einer Kette Bälle befestigt, die man von einem Podest aus in den Korb werfen muss. Diese Station zieht besonders viele Neugierige an: Immer wieder bleiben Passanten stehen, beobachten erst und probieren dann die Geräte aus. Seitz sagt: "Wir haben bewusst solche Spaß-Elemente eingebaut." Bei Stationen wie dem Balancieren seien schnelle Erfolge möglich, die Neu-Trimmer motivieren sollen. Im Sommer werde nebenan auf der Wiese gekickt und gepicknickt. Jeder sei willkommen: Familien, Fitnessstudio-Hasser, Schulklassen.Bei den Kraftübungen gibt es die bewährten Liegestütze, Strecksprünge und Sit-Ups. Die Station "Klimmzug" ist so konstruiert, dass Untrainierte ein Unterstützungsgewicht einstellen können - so schafft jeder zehn Wiederholungen. Die letzte Station besteht aus Dehnübungen. Fazit: Beim ersten Mal ist der Muskelkater nach einer halben Stunde Training gewaltig, doch es wird mit jedem Mal besser. 35 000 Euro kostet ein Parcours, doch in Zeiten knapper Kassen ist das vielen Kommunen zu teuer. "Momentan verhandeln wir mit Städten wie Kiel, Wien oder Isny", berichtet Steffen Strasser vom Hersteller PlayParc. Auch Berlin, wo es beispielsweise eine eher konventionelle Trimm-Pfad-Variante im Volkspark Friedrichshain gibt, sei interessiert, sagt Bernd Holm vom Senat für Bildung, Jugend und Sport. "Der 4Fcircle würde gut in den Olympiapark passen." Dort soll es außergewöhnliche Sportangebote für die Bürger geben. Jetzt suche man nach Sponsoren und verhandele mit Krankenkassen.Seitz spricht momentan mit Großunternehmen, die überlegen, einen 4Fcircle für ihre Mitarbeiter zu installieren. Er möchte außerdem Fitness-Geräte an Autobahnraststätten installieren. "In der Schublade liegt ein Konzept für ein Ausgleichsprogramm, mit dem Fahrer die betroffenen Muskeln entlasten können." Positiver Nebeneffekt: Die Autofahrer werden wach und reisen konzentriert weiter. Trimmy, der Anhalter, wäre begeistert.Informationen im Internet:www.4fcircle.de------------------------------Ein Sport für alle // Die Idee für die Trimm-Aktion hatten im Jahr 1969 bereits die fleißigen Norweger. Bei ihnen hieß es schlicht, sportlich und kurz "Trim".Auf den Trimmpfad begab man sich in der Bundesrepublik Deutschland ab 1970. In der DDR hieß die Devise "Lauf dich gesund".Den Namen Trimmy verdankte die Symbolfigur der "Trimm-dich"-Bewegung dem damaligen Fernsehmoderator Robert Lemke.Sportlich aktiv ist heute laut Deutschem Sportbund die Hälfte aller Bundesbürger in irgendeiner Weise. Ein Drittel übt im Verein.------------------------------Foto: Ein Schlauer trimmt nicht nur die Ausdauer, sondern auch das Balancieren - etwa im modernen 4Fcircle.