Der schottische Bischof Roderick Wright, der vor zwei Wochen mit seiner Geliebten verschwand und mit einer weiteren Frau einen 15 Jahre alten unehelichen Sohn hat, hat seine "story" dem Massenblatt "News of the World" verkauft. Die britische Öffentlichkeit reagierte empört. "Sex, Lügen und Betrug" wurden dem von seinem Amt zurückgetretenen Bischof der schottischen Diözese Argyll vorgeworfen. Nach Presseangaben soll Wright, den Journalisten inzwischen im nordenglischen Lake District aufspürten, von der Boulevardzeitung "News of the World" bis zu 300 000 Pfund (fast 700 000 Mark) erhalten haben. Unter der Überschrift "Warum ich gesündigt habe" offenbart der 56jährige Geistliche seine Liebe zu der 40 Jahre alten Krankenschwester Kathleen McPhee, die er habe heiraten wollen. Der Mutter von drei erwachsenen Kindern hatte er bei ihrer Scheidung zur Seite gestanden und ihr während eines Krebsleidens Trost gespendet. "Zwischen kalter Logik und Liebe besteht ein Unterschied - und diese Beziehung entwickelte sich zur Liebe", sagte Wright dem Boulevardblatt. McPhee fügte hinzu: "Wir haben nie zusammen geschlafen. Geküßt haben wir uns auf Stirn und Wange, aber niemals auf den Mund". Die drei Kinder McPhees sollen nach Zeitungsberichten vom Sonntag das Interview-Honorar bekommen. Mit der Beliebtheit von Wright, der in seiner inselreichen Diözese an der Westküste Schottlands nur liebevoll "Vater Roddy" genannt wurde, ist es nach anfänglichem Mitgefühl mit seinen emotionalen Wirrungen offenbar nun endgültig vorbei. Denn Mitte der Woche meldete sich tränenreich Joanna Whibley zu Wort, die mit Wright einen 15jährigen Sohn hat. Whibley, die Wright nach eigenen Angaben "immer noch liebt", forderte Großbritanniens vier Millionen Katholiken am Samstag abend im Fernsehen auf, am Sonntag die Kollekte zu verweigern.Nach Angaben kirchlicher Frauengruppen sind etwa 80 Frauen in einer ähnlichen Situation wie Whibley. Die Gruppen fordern in diesem Zusammenhang von der Katholischen Kirche eine "Überprüfung" des Zölibats. Die Tatsache, daß Wright bei seiner Bischofsweihe 1991 die Existenz seines Sohnes Kevin verschwieg und bohrende Fragen nach Gerüchten über seine Liebesbeziehungen als "böswilligen Unsinn" von sich wies, hat die Kirche zutiefst verärgert. Als "Schande" bezeichnete Kardinal Thomas Winning, geistliches Oberhaupt der 750 000 Katholiken in Schottland, gestern die Entscheidung Wrights, seine "Geschichte" zu verkaufen. "Ich fühle mich genauso betrogen wie alle anderen Menschen auch. Und ich weiß, was die Leute fühlen, weil ich dasselbe fühle", sagte der Kardinal. +++