Wäre Bill Cosby ein Weißer, dann hätten seine jüngsten Bemerkungen vermutlich zu Rassenunruhen in den USA geführt. So aber hat er eine Debatte unter Amerikas Schwarzen ausgelöst. "Ihr müsst aufhören, eure Frauen zu schlagen, nur weil ihr keinen Job findet, weil ihr nichts gelernt habt und nun für den Mindestlohn arbeitet", hatte Cosby Anfang Juli vor schwarzen Aktivisten der Rainbow/Push-Coalition in Chicago gesagt. Wenn schwarze Jugendliche nur Slang redeten, dann könnten sie nicht Doktor werden, sagte er bereits am 17. Mai zum 50-jährigen Jubiläum des Gerichtsurteils, das die gleiche Schulbildung für Schwarze und Weiße einführte. Damals traute sich keiner der Zuhörer den 66-jährigen Entertainer auszubuhen. Dafür ist Cosby, promovierter Pädagoge, Philanthrop und Multimillionär, der als Dr. Cliff Huxtable dem schwarzen Amerika im TV das Leben der schwarzen Besserverdienenden vorführt, ein zu großes Vorbild. Er habe es satt, sagte Cosby auch, dass die Epidemie von High-School-Aussteigern, Analphabeten und Teenager-Schwangerschaften, Gewaltverherrlichung und kaputten Familien mit dem Rassismus der Weißen entschuldigt werde. In seinem Furor ließ Cosby nicht einmal die Ärmsten in den Ghettos aus. Sie müssten sich eingestehen, dass sie mehr Geld für den richtigen Turnschuh und Markenklamotten ausgeben als für die Bildung ihrer Kinder. Starker Tobak, auf den einige african-amerikanische Organisationen schließlich verärgert reagierten. Sie warfen Cosby vor, er habe die Komplexität des Themas nicht begriffen. Am härtesten ging die Ex-Chefin der Black Panthers mit Cosby ins Gericht: "Er wird seinen Platz in der Geschichte neben den blutigen Aktivitäten Colin Powells und dem Speichelleckertum von Condi Rice finden", sagte sie. Doch generell waren die Reaktionen auf Cosbys Kritik positiv. In den Medien meldeten sich viele Schwarze, die sich glücklich zeigten, dass endlich einer den Finger in die offene Wunde der Community lege.