Bei "Hermann Böhlaus Nachfolgern" in Weimar gehen am 30. Juni die Lichter aus. Mit der jetzt bekannt gewordenen Schließung des renommierten Verlags gibt der Metzler Verlag, der Hermann Böhlaus Nachfolger 1998 übernommen hatte, eine jahrhundertealte Tradition preis. Gegründet 1624, entwickelte sich die Hofdruckerei ab 1853 unter der Ägide Hermann Böhlaus zum wichtigsten Editionshaus der Stadt. Schwerpunkte des nach der deutschen Vereinigung mit zwei Mitarbeitern weitergeführten Lektorats sind Rechtsgeschichte, Literaturwissenschaft und Klassikerausgaben. Offenbar wurde die Entscheidung zur Schließung der Niederlassung auf Druck von höherer Ebene - der J. B. Metzler Verlag gehört zum Holtzbrinck-Konzern - gefällt. Die Geschäftsleitung beruft sich auf die "angespannte Marktlage". Alle Bemühungen, den Weimarer Verlag in Richtung eines unabhängigen Sachbuchprogramms weiterzuentwickeln, hätten nicht zu der erhofften wirtschaftlichen Konsolidierung geführt, bedauert Bernd Lutz, als Geschäftsführer bei Metzler auch für Böhlaus Nachfolger zuständig. Erst die Aufgabe des Weimarer Firmensitzes ermögliche es dem Verlag, den Verpflichtungen gegenüber Herausgebern und Autoren in vollem Umfang nachzukommen. Wie dies künftig geschehen soll, ob von Stuttgart aus, dem Stammhaus von J. B. Metzler, oder über einen Vertreter vor Ort, bleibt abzuwarten. Der Stiftung Weimarer Klassik wurde versichert, dass alle laufenden Editionsprogramme weitergeführt würden. Auch der Name bleibe erhalten. Unter anderem erscheinen unter dem Label Hermann Böhlaus Nachfolger die so genannte Sophienausgabe der Werke Goethes, die Weimarer Luther-Ausgabe, die Werke Jean Pauls, das Goethe-Jahrbuch und die Schiller-Nationalausgabe.Verlegerisch wird es finsterer in Weimar. 1990 hatte sich bereits der Berliner Aufbau-Verlag, der hier zeitweilig bis zu 20 Mitarbeiter und Angestellte unterhielt, aus der Stadt zurückgezogen. Ein Lichtblick: 1991 quartierte sich der "Böhlau Verlag Köln und Wien" mit zwei Leuten in den verwaisten Räumen ein und behauptet sich seither mit Neuerscheinungen zur regionalen Kulturgeschichte. (qui.)