Popstars werden heute vom Fernsehen gemacht. Ja, ja. Die Veranstalter des F6 Music Award aber grenzen sich bei ihrer Suche nach der originellsten Newcomerband der neuen Länder von Castings wie "Deutschland sucht den Superstar" ab - es bleibt ihnen auch nichts anderes übrig. "Mainstream-Pop herstellen kann heute jeder", sagt frustriert Jörg Stempel, Berliner Labelmanager des Plattenmultis BMG. "Lass ein paar Mädel mit Silikonbrüsten tanzen und drehe ein Video dazu - schon bist du in den Charts." BMG Berlin hatte den Siegern der bisherigen F6-Music-Award-Wettbewerbe einen Plattenvertrag gegeben. Doch eben diese Pop-orientierten Siegerbands bekamen keine Chance in den Clipkanälen und im Dudelradio. Die ersten beiden Gewinner, die Elektro-Popper Everlasting aus Leipzig und die Berliner Triphop-Hoffnung Ultra Violet, haben sich sogar schon aufgelöst. Ultra Violet produzierten zwar eine Single für BMG und steuerten zum Film "Helden wie wir" einen Song bei, waren im Studio aber nie so gut wie auf der Bühne. "Der Siegerpreis ist kein Freifahrtschein zum Himmel, aber eine echte Chance", sagt Fritz Rau, Senior der deutschen Konzertveranstalter und Schirmherr des F6 Music Award. Bei der fünften Auflage wollen sich die Musikmanager stärker um die Bands kümmern: Alle 26 Regionalfinalisten werden über Monate hinweg von Profi-Coachs betreut. "Was macht euch so besonders?", fragt Talentesucher und Jurymitglied René Rennefeld alle Bands ohne Plattenvertrag zwischen Meck-Pomm und Thüringen. "Wir suchen Bands mit Charakter!"Die letztjährigen Zweitplatzierten, die Berliner Band Mother s Little Helpers, sind noch gut im Rennen. Für sie hat sich die Teilnahme auf jeden Fall ausgezahlt. "He guck mal, neue Schuhe", zeigt Gitarrist Stefan Henning. "Hier, mein neuer Gürtel", flachst auch Sänger Bob Greiner-Pol. "Hat alles die Plattenfirma bezahlt." Wichtiger als eine neue Bühnengarderobe war die Produktion einer Rio-Reiser-Coverversion zum Soundtrack des Films "Das Jahr der ersten Küsse", auch wenn der Streifen im Kino floppte. Die fünf Musiker, die Retrorock à la Led Zeppelin mögen, hatten bei anderen Bandwettbewerben schlechte Erfahrungen gemacht. Bei Emergenza etwa, der sich allein über die Kartenverkäufe an die Fans finanziert, verkauften Mother s Little Helpers nur ein einziges Ticket und schieden in der Vorrunde aus. Auch bei F6 rechneten sie sich mit ihren bis zu neun Minuten langen Songs wenig aus - und wurden überrascht. Sie gelangten in die Auswahl der sechs besten Bands aus Berlin-Brandenburg, gewannen den Regionalausscheid und wurden beim Finale Zweiter. Reizvoll an solchem Wettbewerb sind nicht allein die Preise, sondern die Chance, von den richtigen Leuten gesehen zu werden. So begeisterte die spätere Band ohne Namen, damals noch als Die Allianz, mit ihrem Sieg beim Rio-Reiser-Songpreis den Musikmanager George Glueck und machten Karriere. Am allerwichtigsten für den Schirmherr Fritz Rau aber bleibt der Ansporn zum Musikmachen. "Mein schönster Brief ging so: Wir haben vom F6 Music Award gehört und gleich eine Band gegründet - hier sind unsere allerersten Songs." Bewerben können sich alle Bands und Solisten ab 18 ohne Plattenvertrag. Adresse: F6 Music Award, PF 100616, 04006 Leipzig; Tel. 0180/363 66 36; Einsendeschluss: 31.3.2003. Aus den Einsendungen werden die sechs Bands für das Regionalfinale Berlin-Brandenburg am 1.11.03 ausgesucht. Das Finale findet am 24.1.2004 in Berlin statt.Foto: BERLINER ZEITUNG/MICHAEL BREXENDORFF Mother's Little Helpers aus Berlin mögen Retrorock à la Led Zeppelin - und haben dennoch Erfolg. Beim F6 Music Award waren sie auf Platz 2 gelandet.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.