Der Winzer Eckhard Kloster betreibt Deutschlands erstes Weinmuseum an einem ungewöhnlichen Ort: Es wächst der Wein am Niederrhein

Der Niederrhein gilt als Landstrich, wo Altbier und Pils die Kehle benetzen. Der ganze Niederrhein? Nein, in Hamminkeln, genauer gesagt im Ortsteil Wertherbruch, ist ein Winzer beheimatet, der die Weinkultur in die Region bringt. Der staatlich geprüfte Weinbautechniker Eckhard Kloster eröffnete im Jahr 2006 Deutschlands ers-tes Wein-Freilichtmuseum.Kloster stammt aus einer alten Winzerfamilie in Worms. Noch heute leitet er die Kellerei des familieneigenen Weinguts Kloster-Abenheim. Schon vor einigen Jahren folgte der Pfälzer seiner Frau Heike in deren Heimat nahe der niederländischen Grenze. Mit dem Keltern will es in Hamminkeln freilich nicht so recht klappen. Denn der Weinanbau ist in Europa genehmigungspflichtig. Und noch hat Kloster keinen Antrag eingereicht.Rosen als AlarmanlageEin Weinmuseum benötigt keine EU-Erlaubnis. Und so entschied Kloster, ein solches zu gründen. In Wertherbruch können Besucher den gesamten Herstellungsprozess vom Pflanzen des Rebstocks bis zur Abfüllung hautnah erleben. Historische Gerätschaften vermitteln einen Einblick in die Handwerkskunst des Kellermeisters. Eine alte Flaschenspülmaschine, eine mechanische Abfüllanlage, eine Handpumpe und ein Gerät, mit dem Weinflaschen manuell verkorkt werden, sind ebenso zu sehen wie Werkzeuge aus dem Weinberg. Auch Rosensträucher fehlen nicht. "Winzer nutzen Rosen gern als Frühwarnsystem, da sie von den gleichen Schädlingen befallen werden wie Reben, aber wesentlich empfindlicher sind", sagt Kloster.Sieben Stationen umfasst das 4000 Quadratmeter große Museum. Informationstafeln erläutern Fragen zu Boden, Klima und Anbau. Im angrenzenden Biotop gedeihen Wildblumen. Eine Trockenmauer verdeutlicht, wie ein Winzer im Berg genug Raum für seine Reben schafft, und drei uralte Grenzsteine zeugen von der Tradition, die einzelnen Anbauregionen fein säuberlich abzustecken. Mit fast 200 Rebstöcken, die im September ihre prallen Trauben zeigen, lädt am Ende des Rundgangs die längste Weintafel des Niederrheins zum Verweilen ein. Die mit Rebstöcken bepflanzte Pergola misst 80 Meter. Fünf verschiedene, meist kernlose Sorten wachsen hier. Und für die Museumsbesucher gilt: Mundraub erlaubt.Reben mit trockenen FüßenSelbst das Terroir, das geschmacksbestimmende Zusammenspiel von Mikroklima, Bodenart und Landschaft, ist hier zu bestaunen. Kloster hat eigens 1000 Kubikmeter Erde aufgefüllt und spezielle Steine herangekarrt. "Der Wertherbrucher Boden ist Gift für die Reben, weil er kein Wasser durchlässt." So sorgen in dem kleinen Museum nun Mulden und Hügel für die Versickerung. "Reben mögen kein Wasser an den Füßen", sagt der Fachmann und fügt hinzu, dass "Böden ganz wesentlich den Geschmack beeinflussen." Moselweine beispielsweise gedeihen auf Schiefer, Rheinhessenreben auf Kalk und Lößlehm.Natürlich bleibt es in Hamminkeln nicht bei der Theorie. Auch die Weinverkostung fehlt nicht -ebenso wie einige Empfehlungen: "Der erste Schluck dient dazu, dass sich die Speiseröhre an den Geschmack gewöhnt, der zweite ist für den Genuss -und irgendwann ist dann auch die Flasche leer", weiß Kloster zu berichten. Nach seinem Lieblingswein gefragt, weicht der Winzer geschickt aus: "Das kommt ganz auf die Stimmung an." Und dann gesteht der Museumsdirektor, sich sogar ab und zu ein Bierchen zu gönnen. Schließlich wohnt der Pfälzer ja in der "Heimat des Gerstensafts" am Niederrhein.------------------------------WeinseligWein-Freilichtmuseum Kloster-Wertherbruch Hölzerweg 7, 46499 Hamminkeln-Wertherbruch, Tel. 02873/91 94 44, www.wein-freilicht- museum.de, www.kloster-kraul.deÖffnungszeitenVon Mai bis Oktober donnerstags von 18 bis 21 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr sowie nach Voranmeldung.TippDas Freilichtmuseum bietet auch eine Weinschule und zweistündige Erlebnisseminare zu Themen wie "Schokolade und Wein", "Olivenöl und Wein" oder "Gesundheit und Wein". Teilnahmegebühr: 24,90 Euro.------------------------------Foto: Im Freilichtmuseum dürfen die Besucher auch Trauben naschen.