BERLIN, 16. Februar. Gudrun Fröhner ist eine unauffällige Frau. Ihre Anwältin bezeichnet sie als unpolitisch und fürsorglich gegenüber ihren Schützlingen. Doch Fröhner, von 1981 bis 1985 Ärztin des DDR-Turnverbandes und heute beim Institut für Angewandte Trainingswissenschaften in Leipzig beschäftigt, ist auffällig geworden, seit ihr Name in Stasi- und Ermittlungsakten im Zusammenhang mit der Vergabe von Doping aufgetaucht ist. Fröhner bestreitet dies vehement und ist deshalb mehrfach vor Gericht gezogen.Am Dienstag nun wies das Berliner Kammergericht ihre Berufung gegen den Potsdamer Sporthistoriker Giselher Spitzer ab. Spitzer hatte Fröhner der Mittäterschaft bei Menschenversuchen und der Dopingverabreichung an Minderjährige beschuldigt. Das Gericht gestand ihm diese Meinungsäußerung zu, da ein "öffentliches Interesse zu bejahen" sei. Zwar ging es dem 9. Senat des Kammergerichts wie schon in früheren Verhandlungen nicht darum herauszufinden, ob Fröhner tatsächlich gedopt habe. Doch machte ihre Anwältin Friederike Schulenburg vor Gericht eine aufsehenerregende Bemerkung: Sie räumte ein, daß ihre Mandantin nicht nur das bekannte Hormonpräparat Oral-Turinabol, sondern auch ein Steroid namens "STS 672" angewandt habe. Laut Schulenburg geschah dies nicht zu Dopingzwecken, sondern im Rahmen des sogenannten "Kaiserschemas", das die Verabreichung von Anabolika gegen Wachstumsstörungen von Kindern vorsieht.Tatsächlich gab es in der DDR ein Präparat STS mit der Nummer 646. Doch dieses war nicht zugelassen und wurde nur getestet. Bleibt also die Frage, wie die Anwendung eines illegalen Präparates medizinisch indiziert sein könnte. (ds.)