Sechzig Tänzer hatte das Ballett der Deutschen Oper 1997, heute sind es noch 30. Zur selben Zeit hatte das Ballett der Komischen Oper 58 Tänzer, heute sind es 22. Eine dreistündige Anhörung zum Thema Opernballette fand gestern im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses statt. Intendanten, Geschäftsführer, Ballettdirektoren und Sprecher der Compagnien wurden gehört und das wichtigste Fazit war das: Alle sprachen sich entschieden für den Verbleib ihrer Ballette an den jeweiligen Häusern aus. Ballett sei ein unverzichtbarer Bestandteil seines Opernhauses und das solle es auch bleiben, sagte Udo Zimmermann von der Deutschen Oper. Ähnlich äußerten sich die Intendanten der anderen Häuser.Eigentlich wollte auch noch Andreas Homoki auftreten, der designierte Intendant der Komischen Oper. Er wollte dem Vernehmen nach verkünden, dass er das Ballett der Komischen Oper mit der Spielzeit 2004 auflösen werde. So hatte sich das der Kultursenator gedacht, als er Homoki einlud, doch der Kulturausschuss ist kein Gremium der Verwaltung, sondern des Parlaments, und so war Homoki dann nur als Zuhörer gekommen. Möglicherweise ist er jetzt sogar froh darüber, denn eines hat diese Anhörung deutlich gemacht: In den vergangenen Jahren wurde - zu Gunsten der Oper und der Orchester - beim Ballett überproportional gekürzt. Ein Drittel der Tänzerstellen wurde in den vergangenen fünf Jahren an den Opernhäusern gestrichen. Wie viele Stellen in den Orchestern fielen in dieser Zeit eigentlich weg?, fragte Adolphe Binder, Interimsballettdirektorin an der Komischen Oper. Mittels einer besseren Lobby und intensiver Gewerkschaftspräsenz ist es immer wieder gelungen, Kürzungen unverhältnismäßig stark auf das Ballett abzuwälzen. Dass sich Homoki nun den gesamten Ballettetat der Komischen Oper einverleibt, wäre politisch kaum durchsetzbar.Geradezu feurig engagierte sich Albert Kost, bis 2004 Intendant der Komischen Oper, für sein Ballett. Dabei hatte er es bisher sträflich vernachlässigt. Drei Ballettdirektoren hat er in den vergangenen Jahren verschlissen. Sechs Opernpremieren hat er seinem neuen Chefregisseur Andreas Homoki, der sich unvermittelt als Königsmörder entpuppte, pro Spielzeit zugesagt. Es interessierte ihn nicht, wie viel Produktionsgeld und wie viel Probenräume dann noch für das Ballett übrig bleiben. Eines scheint er jetzt, wo es zu spät ist, verstanden zu haben: Ohne Ballett wird er als Intendant nicht mehr gebraucht. Allein dem Ballett der Staatsoper geht es gut. Ihre Compagnie hat 64 Tänzer und geht mit ihrem neuen Ballettdirektor Vladimir Malakhov vermutlich einer großen Zukunft entgegen. Die Staatsoper hat nie im Ballettbereich gekürzt, betonte der Geschäftsführer Georg Vierthaler. Doch die Streichung von Tänzerstellen wurde mit Blick auf das kommende BerlinBallett nicht von den Intendanten, sondern von der Kulturverwaltung veranlasst. Die Fusion der Ballette sollte die Kürzungen auffangen. Das Ballett der Staatsoper war von den Streichungen ausgenommen, weil die klassische Ballettaufführung auch in Zukunft vorrangige Aufgabe dieses Hauses sein sollte. Die Situation der Staatsoper war also immer unvergleichlich günstiger als die der anderen Häuser. Die deutlichsten Worte sprach am Ende Udo Zimmermann. Es sei klar, dass angesichts der Haushaltslage vom Land kein Cent mehr für das Ballett zu erwarten sei. Mit 30 Tänzern sei die Deutsche Oper, das größte der drei Opernhäuser, auf Dauer nicht bespielbar. Er sei mit Albert Kost bereits im Gespräch für eine Fusion oder zumindest eine Kooperation zwischen den Balletten, es gebe keinen anderen Ausweg. Überraschenderweise sagte er auch, dass die Autonomie eines solchen Balletts für ihn kein Problem sei und schnell herzustellen sei. Nur solle die Politik diesen Weg nicht mehr stören und für Verhandlungen frei machen.Foto: KOMISCHE OPER Die Inszenierungen von Blanca Li in der Komischen Oper waren umstritten, aber immer bestens besucht