Deutscher Dom: Alte Überreste und Moderne miteinander verbunden: Ein Gang durch die Geschichte

Der Deutsche Dom präsentiert sich erstmals seit Jahrzehnten in völlig neuem Gewand. Nach umfangreichen Bauarbeiten - 1994 unterbrochen von einem Brand - übergibt die Bundesbaudirektion das Gebäude heute an die Verwaltung des Deutschen Bundestages.Von "einem Gang durch einen Steinbruch der Geschichte" sprach gestern abend Jürgen Pleuser. Der Architekt zeigte während einer Besichtigung, wie er und sein Team seit 1992 versucht haben, die 300jährige Geschichte des Hauses am Gendarmenmarkt nicht zu negieren. So hätten sie auch "Brüche, Wandlungen und Überformungen bis in die jüngste Vergangenheit" miteinbezogen. "Vielleicht als Spiegelbild preußisch berlinischer Geschichte bis in die Gegenwart", so Pleuser. Die Basis dafür sei bereits 1708 entstanden, als die damalige Kirchenhalle des Domes gebaut wurde. 1785 war dann der Turm mit seiner markanten Kuppel entstanden.Pleuser wollte, wie er sagte, die Überreste aus der Bombennacht von 1943 und die Mitte der 80er Jahre begonnenen Einbauten aus der DDR-Zeit stehenlassen und diesen Elementen Modernes hinzufügen. So hat Pleuser die sich bis unter die Turmkuppel 60 Meter hoch windende Stahlbetontreppe vorgefunden. Um dies und den früher verputzten und jetzt freigeschlagenen roten Backstein richtig zur Geltung zu bringen, soll Kunstlicht die unterschiedlichen Epochen hervorheben. Auch in der großen Halle, wo künftig die stark verkleinerte Ausstellung "Fragen an die deutsche Geschichte" gezeigt wird, ließ Pleuser Teile der stählernen DDR-Kuppelkonstruktion unangetastet. Als "labyrinthische Innenwelt" bezeichnete der Architekt die letzten beiden von insgesamt fünf Ebenen. Fast unter unter dem Dach wird der Besucher hier unter anderem künftig drei Vortragssäle, ein Cafe und ein Kino vorfinden. Von Lichtgärten aus können die Domfiguren aus nächster Nähe betrachtet werden. Nur bei Führungen ist es möglich, die letzten Treppen, die direkt bis unter die Turmkuppel führen, zu nutzen. Wie berichtet, können Berliner und Touristen erst im Herbst den Dom besichtigen. Zur feierlichen Eröffnung am 2. Oktober wird Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth kommen. +++