DFL hat Bundesliga-Rechte ausgeschrieben: "Sportschau" um 22 Uhr, "Sportstudio" erst am Sonntag

Gestern hat die Deutsche Fußball-Liga die Rechte-Pakete für die Bundesliga ausgeschrieben. Bis zum 1. Dezember müssen die Interessenten ihre Angebote abgeben. Ein Blick in den Rechtekatalog zeigt, dass auf auf die Fans einige Veränderungen zukommen.Die Ausschreibung für Spielzeiten 2006 bis 2009 folgt einem komplizierten Verfahren. Insgesamt sind 233 Einzelpakete im Angebot, diese umfassen aber auch die Internet- und Mobilfunkrechte. Für die besonders wichtigen Fernsehrechte wurden drei Spielplanmodelle und sechs Rechtemodelle entworfen. Die DFL wird die Gebote prüfen und darüber verhandeln. Erst nach Vergabe der Pakete stehen die Sende- und Anstoßzeiten fest.DFL-Geschäftsführer Christian Seifert machte klar, dass keinesfalls automatisch das höchste finanzielle Gebot den Zuschlag erhalte. Auch die Akzeptanz der jeweiligen Lösung bei den Fans werde bei der Entscheidung eine Rolle spielen, ferner die redaktionelle Kompetenz des Senders und dessen technische Zuschauerreichweite (in frei empfangbaren Fernsehen muss sie bei mindestens 80 Prozent liegen).Das Problem der DFL ist bekannt. Die Vereine wollen mehr Geld von den Fernsehsendern als die bisher gezahlten 300 Millionen Euro. Bei etwa 400 Millionen Euro liegen die Erwartungen. Deutlich höhere Summen kann nur das Bezahlfernsehen, also der Pay-TV-Sender Premiere, bieten. Der verlangt dafür mehr Exklusivität: Die Zusammenfassung der Sonnabendspiele (derzeit in der ARD-"Sportschau" ab 18.10 Uhr") soll in größerem zeitlichen Abstand zur Live-Ausstrahlung bei Premiere erfolgen. Gedacht ist an 22 Uhr. Dadurch würde Premiere eigenen Schätzungen zufolge 600 000 Abos zusätzlich verkaufen.Die DFL kennt die Begehrlichkeiten von Premiere, weiß aber auch um die Erwartungen der Fans, die ihren geliebten Sport nicht im Bezahlfernsehen verschwinden sehen wollen. Zudem respektiert die Liga die Leistung der ARD, die mit der "Sportschau" regelmäßig mehr als sechs Millionen Zuschauer vor den Bildschirm zieht. Das wirkt sich wiederum auf die Sponsoren der Vereine aus, die nur zu zahlen bereit sind, wenn so viele Zuschauer wie möglich Trikot- und Bandenwerbung betrachten. "Diese Beziehung darf nicht irreparabel beschädigt werden", sagte DFL-Geschäftsführer Seifert und erinnerte daran, dass die Liga 337 Millionen Euro mit dem Sponsoring verdient - mehr als mit allen Fernsehrechten.Die DFL hat nun sechs Szenarien entworfen, mit denen sie möglichst vielen Interessen gerecht werden will. Die Szenarien sind sehr komplex und untereinander nicht kombinierbar. Am Spielplan wird am wenigsten geändert. Es gibt mindestens fünf Partien am Sonnabend, 15.30 Uhr, zwei weitere am Sonntag. Möglich ist ein Freitagspiel (20.30 Uhr) und ein so genanntes Match of the Day am Sonnabend um 18.30 Uhr. Für das Fernsehen bieten sich unter anderem folgende Möglichkeiten:- Die Zusammenfassung der Sonnabendspiele im Free-TV (bisher ARD) beginnt erst 18.30 Uhr und endet 20.15 Uhr.- Die Zusammenfassung der Sonnabendspiele beginnt im Free-TV um 22 Uhr. Die Zweitverwertung der Sonnabendspiele (bisher ZDF-"Sportstudio") läuft erst am Sonntagvormittag ab 10 Uhr.- Die Zusammenfassung der Sonnabendspiele im Free-TV erfolgt von 19-20.15 Uhr. Nur fünf Spiele dürfen gezeigt werden sowie ein sechstes, das bereits am Freitag (Anstoß 20.30 Uhr) stattfindet. Das siebte Spiel, ebenfalls vom Sonnabend, wird exklusiv ab 22 Uhr ausgewertet.- Am Sonnabend gibt es ein 18.30 Uhr beginnendes "Match of the Day". Es kann live im Free- oder Pay-TV gezeigt werden. Die Zusammenfassung der anderen Sonnabendspiele läuft 22 Uhr, die Zweitverwertung am Sonntag ab 10 Uhr.- Die beiden Sonntagsspiele werden erst ab 22 Uhr im Free-TV gezeigt (bisher ab 19 Uhr im DSF).Nun dürfen sich die Fernsehsender entscheiden.------------------------------Foto: Kampf um jeden Ball - auch unter den Fernsehsendern.