Der sechsmalige Literatur-Nobelpreiskandidat Mario Luzi galt den Italienern als "einer der größten Poeten des Novecento". Erst im letzten Herbst, zu seinem neunzigsten Geburtstag, war er von Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi auch zum Senator auf Lebenszeit berufen worden. Luzi bedankte sich, ging in den Senat und sagte, dass er die Verfassungsreformen von Silvio Berlusconis rechtem Regierungslager als Angriff auf dieselbige erachte. Ein paar Wochen später verglich er Berlusconi gar mit Mussolini. Das Verlagshaus Mondadori hat Mario Luzis schriftstellerisches Gesamtwerk in der noblen Reihe "Meridiani" herausgegeben. Kuriose Fügung darin ist: Mondadori gehört Berlusconi. - Bereits 1935 war Luzis erster Lyrikband "La barca" erschienen. Darin erprobte er die Poesie als reinste Sprache zur Introspektion und inneren Emigration. Bekannt wurde Luzi, der sich auch als Literaturtheoretiker, Kritiker und Übersetzer von Racine und Shakespeare ins Italienische betätigte, mit dem Gedichtband "Wein und Ocker" (1993 auf deutsch erschienen), in dem er die Schönheit der toskanischen Hügellandschaft beschreibt und mit dem Poesie und Prosa verbindenden Werk "Und ein Lächeln, das alles verwirrt - Ein Dichter in China" (2001 auf deutsch). Sechs Jahre in Folge schlugen ihn die Italiener für den Literaturnobelpreis vor. Als der Preis dann 1997 überraschend an den Theatermann Dario Fo ging, erging sich Luzi in einer vehementen Kritik gegen das Komitee. Mario Luzi starb am Montag im Alter von 90 Jahren in seiner Heimatstadt Florenz, im Schlaf. (mei.)