MÖNCHENGLADBACH, 18. April. Eines zumindest kann man Dick Advocaat nicht vorwerfen: dass er in Mönchengladbach, bei der Borussia, nicht konsequent gewesen wäre bis zuletzt. 167 Tage lang ist Advocaat dort Trainer gewesen, und von Anfang an hat er den Eindruck vermittelt, von nun an bestimme nur noch einer, was sportlich passiert in seinem Klub: er selbst. Die Tatsache, dass er in der Winterpause gleich sieben neue Spieler verpflichtete, war dafür nur das auffälligste Indiz. Am Montag haben Advocaat und die Borussia sich getrennt, und es war irgendwie logisch, dass auch den Zeitpunkt für den Abgang des Trainers nicht der Verein bestimmte, sondern Advocaat selbst. Er trat zurück, sein Vertrag wird zum 30. Juni aufgelöst, auf eine Abfindung verzichtet er.Zum Abschied hinterließ der Niederländer einen einsichtigen Satz: "Ich glaube, dass ich mit meinem Rücktritt Druck vom Klub und von der Mannschaft nehme und hoffe, damit den Anstoß zu geben, dass Borussia den Klassenerhalt schafft." Teil eins der Aussage trifft sicherlich zu. Denn Advocaat (57) hat bei dem vom Abstieg bedrohten Fußball-Bundesligisten nie nachweisen können, woher sein Ruf als international geachteter Coach rührt. Er hat sein Personal schlechter geredet, als es war - und mit seinem Kaufrausch für Verunsicherung gesorgt, aber nicht für neue Qualität. Wie gereizt auch das Umfeld zuletzt auf den Niederländer reagierte, zeigte sich spätestens, als ein Unbekannter im Internet ankündigte, Advocaat bei der Partie am vergangenen Sonnabend gegen den FSV Mainz 05 mit Feuerwerkskörpern zu beschießen - es blieb zum Glück bei der Drohung.Vorerst übernimmt nun Horst Köppel (56) die Mannschaft, am Dienstag um 10.30 Uhr leitet er das nächste Training des Gladbacher Teams. Köppel kennt sich aus mit dem Job des Retters in der Not, er hat ihn in dieser Saison schon einmal mit Erfolg erfüllt: Im Oktober 2004, nach der Entlassung von Holger Fach, führte Köppel die Borussen zu einem 2:0-Erfolg über den FC Bayern München. Dennoch musste er seinen Posten räumen, für Advocaat, den Mann, der die Klubführung von einer großen Zukunft träumen ließ - die Gegenwart haben dabei alle vergessen. Köppel, der bisher die U23 der Gladbacher betreute, rückt jetzt wieder ins Rampenlicht, ohne zu zögern: "Der Verein hat mich gefragt, und für mich war das klar." Am Sonntag, in der wichtigen Partie beim 1. FC Nürnberg, darf der Trainer zeigen, ob er ein zweites Mal in einer Spielzeit Wege zur Besserung weiß. Ein Sieg wäre immerhin eine Premiere, schließlich haben die Borussen in dieser Saison auswärts noch keine einzige Begegnung gewonnen.Hochstätters FehlerSollte auch Köppel aber den Gladbacher Abstieg nicht verhindern können, dürfte mehr und mehr Sportdirektor Christian Hochstätter ins Zentrum der Kritik rücken. Er hatte schon die Entlassungen von Ewald Lienen und Holger Fach zu verantworten, nun hat auch sein Experiment mit Advocaat nicht funktioniert. Noch am Sonntag- abend, nachdem der Trainer zum ersten Mal seinen Rücktritt angeboten hatte, hatte Hochstätter den Ernst der Lage offenbar nicht erkannt. "Wir befassen uns nicht mit der Zweiten Liga, weil wir die Klasse erhalten", sagte er. Köppel soll nun dafür sorgen, dass er Recht behält - allen Fehlern zum Trotz. (BLZ)------------------------------Foto: Schreihals bis zum Schluss: Dick Advocaat, seit Montag nicht mehr Trainer bei Borussia Mönchengladbach.