Genau genommen ist es Alexander van Dülmens Schuld, dass Til Schweiger nicht mehr ungestört über den Roten Platz in Moskau spazieren kann. Das würde der Unternehmer natürlich nie so sagen. Höchstens, er habe ein wenig dazu beigetragen, dass der deutsche Schauspieler in Russland mittlerweile fast so populär ist wie in seiner Heimat. Van Dülmen, Gründer und Vorstandschef der Berliner Lizenzhandelsfirma A Company, sorgt dafür, dass Schweigers Filme in Russland zu sehen sind - im Kino, auf DVD und im Fernsehen.Seine Firma vermarktet die Ausstrahlungsrechte an Schweigers Werken, und das nicht nur in Russland. Die A Company ist in ganz Zentral- und Osteuropa und nahezu allen ehemaligen GUS-Staaten aktiv. In Warschau, Moskau, Vilnius und seit neuestem auch in Budapest unterhält das Unternehmen Tochterfirmen. "Keinohrhasen", Schweigers letzter Kinoerfolg, lief in Ungarn ebenso wie in Tschechien, Russland und Litauen.Fast vierhundert Werke aus nahezu jedem Genre hat die A Company im Programm, vor allem Actionfilme, Thriller und Komödien. Bei etwa 80 Prozent davon handelt es sich um Produktionen aus den USA, der Rest stammt aus Europa. Neben Til Schweiger stehen aus Deutschland noch Detlef Buck mit drei Filmen und Fatih Akin mit seiner jüngsten Produktion "Soul Kitchen" auf van Dülmens Liste.In einer Büroetage am Berliner Alexanderplatz arbeiten 25 Angestellte für die A Company, weitere 35 sind in den Tochterfirmen beschäftigt. Die Räume der Geschäftszentrale sind hell und offen, die Wege kurz. Vom Glamour der Branche ist wenig zu spüren. Sieht man von den Filmplakaten an den Wänden ab, herrscht funktionale Schlichtheit. Eingezogen ist van Dülmen mit nur einer Handvoll Mitarbeiter. Seither musste die Etage dem Wachstum der Firma mehrfach angepasst werden.Im Filmhandelsgeschäft kennt van Dülmen sich aus: Unter anderem arbeitete er beim Progress-Filmvertrieb und bei CLT/RTL in Luxemburg, sowie als Geschäftsführer der Kinowelt International GmbH, Schwerpunkt Osteuropa. Kurz bevor der Konzern von Michael Kölmel 2001 Insolvenz anmelden musste, sprang van Dülmen ab. Seine eigene Filmografie umfasst fünf Dokumentationen, mal als Produzent, mal als Regisseur oder beides.Im März 2003, nach fast einem Jahr Vorbereitungszeit, rief Alexander van Dülmen mit einem Existenzgründungsdarlehen und ein wenig Privatkapital seine eigene Firma, die A Company ins Leben. Er flog in die USA und kaufte für drei Millionen Dollar Filmrechte ein. Nur wenige Monate später hatte er damit in Osteuropa "einige Hunderttausend Dollar Gewinn" gemacht, wie er sagt. "Aber das Geld existierte nur auf dem Papier." Zwar stand die Summe in den Verträgen mit den russischen Geschäftspartnern. Für die Zwischenfinanzierung hätten jedoch Banken einspringen müssen. Und die hielten sich zurück, weil die Kirch-Pleite und die Kinowelt-Insolvenz sie vorsichtig gemacht hatten. Erst eine südafrikanische Bank rettete van Dülmens Geschäft.2005 stieg schließlich die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft mit 250 000 Euro ein. Kreditinstitute wie die Berliner Volksbank und die Commerzbank zogen nach. Das "Löcherstopfen", wie van Dülmen es nennt, schien im Frühjahr 2008 endgültig vorbei zu sein, als sich die Filmfirma Senator mit vier Millionen Euro in die A Company einkaufen wollte und die Banken daraufhin weitere acht Millionen zusagten.Doch Senator bekam selbst finanzielle Probleme, konnte nur noch die Hälfte der Summe aufbringen. Auch die Banken reduzierten ihr Engagement, und als Ende 2008 die Finanzkrise um sich griff - weshalb die A Company ohnehin schon Verluste auf dem russischen Markt verzeichnete - zogen sie sich ganz zurück. Die Berliner Volksbank kündigte die Kredite fristlos, ein Vorgang, der van Dülmen noch heute maßlos ärgert. "Die hätten uns ohne mit der Wimper zu zucken und ohne Rücksicht auf die Arbeitsplätze pleitegehen lassen", sagt er. Am Ende sprang ein anglo-amerikanischer Finanzinvestor ein. Für 13 Millionen Euro erwarb er ein Viertel der Anteile von A Company.Inzwischen zögen die Märkte langsam wieder an, sagt van Dülmen. Besonders in Russland, das bis zu 75 Prozent des Firmenumsatzes ausmacht, stiegen die Werbeerlöse bei den TV-Sendern, die Leute gingen oft ins Kino und kauften DVDs.Die A Company ist also wieder auf Expansionskurs. Gerade erst hat van Dülmen das ungarische Traditionsunternehmen Budapest Film gekauft und eine Produktionsfirma gegründet, die vor allem als Koproduzent auftreten soll. "Wir wollen bei interessanten Projekten von Anfang an dabei sein können", sagt van Dülmen. Der erste Film, den die A Company mitproduzieren will, kommt von Pepe Dankwart und ist ein deutsch-polnisches Gemeinschaftswerk.Und Til Schweiger? Der lässt sich ab und zu auf einem der Empfänge blicken, die van Dülmens A Company jährlich zur Berlinale ausrichtet. Und er scheint sich nicht sehr darüber zu ärgern, dass er den Roten Platz nicht mehr unerkannt passieren kann.------------------------------Foto: "Mut heißt für mich, wenn Menschen in dunklen Zeiten ihr Leben für etwas Gutes riskieren." Alexander van DülmenKREATIVWIRTSCHAFT UND MEDIENSpitze Schreie gellten im November 1895 durchs Berliner Wintergarten-Theater. Erstmals hatte Max Skladanowsky vor zahlendem Publikum bewegte Bilder auf eine Leinwand projiziert. Mit einem boxenden Känguru war das Kino geboren - 56 Jahre bevor die erste Berlinale die Stadt als internationale Filmmetropole bekannt machte. Heute werden in Berlin nicht nur Filme angeschaut, sondern auch produziert. Die Filmbranche zählt zu den stärksten Wachstumsmotoren der Region. Mit rund 26 000 Unternehmen und einem Jahresumsatz von mehr als 21 Milliarden Euro gehört die Berliner Kreativwirtschaft zur europäischen Spitze. 114 000 Beschäftigte arbeiten hier in Bereichen wie Kunst, Architektur, Design und Mode. Seit 2006 führen Models zwei Mal jährlich die neuesten Kollektionen auf den Laufstegen der Fashion Week (Foto) vor. Dieses Jahr füllte die Modemesse Bread & Butter erstmals den stillgelegten Flughafen Tempelhof wieder mit Leben - Ereignisse, die Berlins Ruf als Modehauptstadt festigen.