"Die Achse der Guten" ist der einflussreichste deutsche Autorenblog. Doch jetzt streiten sich die Guten: Gegenseitige Vorwürfe

Alan Posener besitzt die Fähigkeit, Leute aufzuregen. Berühmt wurde der ehemalige Kommentarchef der Tageszeitung Die Welt vor zwei Jahren durch einen Vorfall, der als "Kommentarkrieg im Axel Springer Verlag" die deutschen Medien beschäftigte. In seinem Blog Apokalypso hatte Posener den Bild-Chef Kai Diekmann massiv angegriffen. Posener belegte den Arbeitskollegen mit Vokabeln wie "jämmerlich", "lächerlich", "scheinheilig" und erlegte sich auch sonst sprachlich keinerlei Zwang auf. So konnten die konservativen Welt-Leser sich zumindest kurzfristig am Wort "Wichsvorlage" erfreuen. Kaum war der Text erschienen, war er auch schon wieder verschwunden. Die Maßnahme löste einen Sturm der Entrüstung aus, der Verlag rechtfertigte sich mit dem Hinweise auf eine "Entgleisung" eines Einzelnen. Rausgeworfen wurde Posener damals nicht.Hochkant vor die Tür gesetzt wurde der Springer-Journalist nun von den drei Gründern Henryk M. Broder, Michael Miersch und Dirk Maxeiner des einflussreichsten deutschen Autorenblogs Die Achse des Guten. Auf der Achse bloggen zahlreiche Journalisten meist großer deutscher Medien in ihrer Freizeit gegen USA-Bashing, Kapitalismus-Kritik, Klima-Hysterie und falsche Toleranz gegenüber dem Islam. Der Erfolg ist immens. Mehr als 400 000 Leser besuchen monatlich das Blog. Sogar die linke taz ist beeindruckt: "Eine Handvoll Blogger bildet eine feste liberale Gegenöffentlichkeit im Netz. Am bekanntesten ist Die Achse des Guten."Posener bloggte seit Herbst 2008 auf der Achse und entfachte mit seinen Beiträgen teilweise hitzige Debatten. Im Mai erfuhr der Korrespondent der Welt am Sonntag dann, er sei fortan aus dem Netzwerk ausgeschlossen. Begründung: "In letzter Zeit wurden wir mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass du die Autoren von achgut.com unter anderem als "Idioten" und "unter aller Sau" bezeichnest. Wir wollten das zunächst nicht glauben. Aber inzwischen wurden uns Belege zur Kenntnis gegeben, in denen du deiner Verachtung schriftlich Ausdruck gibst." Und am Schluss: "Wir möchten nicht mit jemandem zusammenarbeiten, der intrigiert und sich bemüht, den Ruf von achgut.de zu schädigen." Posener wird zwar noch als Gastautor geführt, hat aber keinen Zugang zum Blog mehr.Posener sieht seinen Ruf gefährdet. Er bestreitet die vorgeworfenen Äußerungen und kritisiert, dass ihm keine Gelegenheit zur Aussprache gegeben wurde. Dazu gebe es Gelegenheit, denn Posener und Miersch arbeiten bei Springer Tür an Tür. Auch andere Autoren des Netzwerks haben die Gründer um Aufklärung gebeten. Bisher vergeblich. Für Michael Miersch handelt es sich um eine Privatangelegenheit. Eine Gefährdung des Netzwerks sieht er trotz Kritik am Alleingang der Gründer nicht. Henryk Broder kündigte an, er werde die Beweise gegen Posener veröffentlichen, falls der an die Öffentlichkeit gehe.Das tat der Springer-Journalist jedoch bereits Anfang Juli und stellte den Mailwechsel mit Broder und Co. in dem internationalen Blog Hiram7 online, um eine Reaktion zu erzwingen, wie er sagt. Nicht nur er vermutet einen anderen Grund für den Rauswurf. Anlass der hitzigsten Debatte auf der Achse war eine Konferenz im Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung. Broder lehnt den dort betriebenen wissenschaftlichen Vergleich von Antisemitismus und Islamophobie kategorisch ab, Posener hält ihn für zulässig. Nun steht im Raum, dass es bei dem Rausschmiss eigentlich um die Deutungshoheit in Sachen Antisemitismus geht. Die Betreiber der Achse des Guten bestreiten das strikt. Und auch Broder machte seine Ankündigung, Posener mit der Veröffentlichung der Beweise bloßzustellen, bis heute nicht wahr.------------------------------Foto: (3) Der Journalist Alan Posener (Foto rechts oben) hat sich mit Henryk M. Broder (unten), dem Mitgründer des Blogs Die Achse des Guten, überworfen.