Auf der Theke im Café NährReich an der Schönhauser Allee steht ein Schild. Ein kleine Tasse mit Flügeln ist darauf, außerdem eine Liste mit dem Angebot: drei Espresso, ein Kaffee, ein Latte macchiato, ein Cappuccino. Es ist nicht die Getränkekarte, sondern eine kostenlose Offerte für Bedürftige. "Fliegender Kaffee" heißt die Aktion. Initiiert hat sie Maik Eimertenbrink, von Beruf Rikschafahrer am Brandenburger Tor und "im Herzen ein Weltverbesserer".Sein Konzept ist einfach. Der Slogan "Zwei zum Preis von einem" wird beim "Fliegenden Kaffee" umgekehrt. Wer einen "Fliegenden Kaffee" bestellt, zahlt für zwei Tassen, trinkt aber nur eine. Der zweite Kaffee kommt auf die Liste. Je mehr Leute mitmachen, umso mehr steht auf der Tafel.Eimertenbrink will den "Fliegenden Kaffee" in Berlin etablieren. Der 35-Jährige ist Vorstandsmitglied im gemeinnützigen Verein Nachhaltigkeitsguerilla. Auf der Suche nachProjekten für eine sozialere Stadt ist er auf diese Idee gestoßen. Seit Jahrzehnten gibt es in Neapel den "caffe sospeso" (den aufgehobenen Kaffee). Mit seinem Mitbewohner Tim sucht er in Berlin nach Unterstützern. "Wir haben bis jetzt um die fünfzig Cafés besucht, dreizehn machen mit", sagt Eimertenbrink. "Meine Idee, auch wenn es naiv klingen mag, ist es, dass reichere und ärmere Menschen zusammen in einem Café sitzen und ins Gespräch kommen." Doch nicht überall finden sie Gehör. "Es gibt Inhaber, die stolz sind auf ihre feine Kundschaft und nicht wollen, dass ärmere Leute zu ihnen kommen und Kaffee umsonst trinken". Andere fragen, woran sie erkennen, dass jemand wirklich bedürftig ist. "Das bleibt jedem selbst überlassen, aber ich glaube nicht, dass viele die Initiative ausnutzen", sagt Eimertenbrink. Man wolle nicht, dass die Leute ihre Hartz IV-Pässe zeigen müssten. Seine Erfahrung ist, dass die Aktion am besten in kleinen Kiez-Cafés funktioniert, dort, wo der Inhaber sein Publikum kennt.Matthias Nebur vom Café NährReich ist einer der ersten, die mitmachen. "Ich fand die Idee schön, Leuten etwas Gutes zu tun", sagt er. Ganz unterschiedliche Menschen fragen bei ihm nach dem "Fliegenden Kaffee". "Hier in Prenzlauer Berg gibt es viele Kreative und Künstler, die manchmal knapp bei Kasse sind". Wie die Tänzerin, die keine Aufträge hatte. Niemand schäme sich im NährReich, nach einem Gratis-Kaffee zu fragen. Und wer einen Kaffee umsonst bekommen hat, kann ein anderes mal einen spenden. Nebur: "Das kommt bei uns oft vor, momentan haben wir auch mehr Angebot als Nachfrage". Wer sich fürs Mitmachen entscheidet, bekommt einen Aufkleber fürs Schaufenster und die Liste für die Theke. Bislang beteiligen sich Cafés in Neukölln, Kreuzberg und Prenzlauer Berg.-----------------------Die Aktion im Internet www.fliegender-kaffee.com------------------------------Foto: Maik Eimertenbrink (l.) und Matthias Nebur wollen anderen etwas Gutes tun.