Es entbehrt nicht der unfreiwilligen Komik, vielleicht ja auch Selbstironie, dass die von den Finanzämtern für die elektronische Steuererklärung bereitgestellte Software auf den Namen "Elster" hört - gilt die Elster doch als diebischer Vogel, der es besonders auf Edelmetalle abgesehen hat. Da nun die papierlose Umsatzsteuervoranmeldung vorgeschrieben ist, da ich zudem nach dem Diebstahl meines IBM-Laptops (vermutlich ohne Vogelbeteiligung) auf Mac umgestiegen bin, für den die Elster-Software nach wie vor nicht verfügbar ist, bleibt als einzige Option für die pflichtgemäße Übermittlung der Steuerinformationen der Weg über das Elster-Online-Portal.Hier wird alles im Browserfenster erledigt, was erhöhte Sicherheitsanforderungen bedeutet. Wer paranoid ist, kann die Varianten "Elster-Spezial" (40 Euro) oder "Elster-Plus" (50 bis 120 Euro) erwerben oder einen "Elster-Stick" zur Identifizierung, was den Sicherheitsstandard auf "sehr hoch" schraubt, aber "komplex" zu bedienen sein soll. Mir reicht die kostenfreie "Elster-Basis" mit nur "hoher" Sicherheit, dafür angeblich "einfacher" Bedienung. Tatsächlich ist sie so bizarr kompliziert, dass wohl selbst der Mathematiker Alan Turing, der im Zweiten Weltkrieg für die Briten den Code der deutschen "Enigma"-Maschinen knackte, daran zunächst gescheitert wäre. Als erste Hürde bei der Einrichtung des Accounts entpuppt sich die "Art des gemeinsamen Geheimnisses", für das man so sexy Optionen auswählen kann wie "verbleibende Umsatzsteuer-Vorauszahlung / Überschuss 1. Quartal 2006". Herrje, was kümmert mich meine Steuererklärung von gestern?Ist diese Hürde genommen, lauern weitere. Wer dachte, mit der per E-Mail zugesandten 20-stelligen, händisch zu übertragenden Aktivierungs-ID und dem ergänzenden 6-stelligen PIN-Code sei das Verfahren abgeschlossen, hat sich geschnitten. Dafür braucht es noch den 12-stelligen Aktivierungs-Code, der sicherheitshalber mit der Schneckenpost versandt wird. Gibt man am übernächsten Tag endlich Aktivierungs-ID und Aktivierungs-Code drei Mal falsch ein, was bei der schieren Menge an Ziffern und Buchstaben vorprogrammiert ist, bricht alles zusammen und das ganze Verfahren muss neu gestartet werden.Gut eine Woche, zwei fehlgeschlagene Anläufe und einen Wutanfall später schließlich die frohe Kunde: "Herzlichen Glückwunsch! Die Aktivierung ist erfolgreich verlaufen. Sie haben jetzt ein vorläufiges Zertifikat. Ihr endgültiges Zertifikat wird nun bei der Authentifizierungsstelle beantragt. Dies kann einige Minuten dauern. Sobald Ihr endgültiges Zertifikat erstellt wurde, erhalten Sie eine Nachricht per E-Mail an Ihre eingetragene E-Mail-Adresse. Anschließend können Sie Schritt 3 durchführen und sich zum ersten Mal bei Elster-Online einloggen." Ich bin so gut wie drin.