Es fing schon schlecht an. Kaum waren die dreizehn Männer, Frauen und Kinder in der Steinzeit angekommen, begann es zu regnen. Und zwar richtig und lange. Die sorgsam und nach allen Regeln steinzeitlicher Baukunst errichteten Pfahlhäuser hielten dem neuzeitlichen Tiefdruckgebiet nicht lange stand, bald musste eine sehr heutige Plastikplane aufs Steinzeitdach. Es gab weitere Unannehmlichkeiten: Das Feuer ging nicht an, die Erbsensuppe schmeckte nicht, der vierjährige Taliesin hatte schon zwei Mal gekotzt. "Vier Mal", berichtigt der Junge, "zwei Mal in der Nacht und zwei Mal heute morgen". Aber sonst ist alles super."Steinzeit - Das Experiment. Leben wie vor 5 000 Jahren", heißt die vierteilige Dokumentation, die ab Pfingstsonntag in der ARD läuft. Zwei befreundete Familien und zwei Bekannte sowie eine Oma als gute Seele der Steinzeit wurden vom produzierenden Südwestrundfunk auserwählt, acht Wochen lang wie zu Ötzis Zeiten zu leben. Oder wenigstens so zu tun als ob. Dafür wurde am Bodensee ein Dorf aus der Jungsteinzeit nachgebaut, dazu gab es drei Kühe, zwei Wollschweine, ein paar Ziegen und ein Getreidefeld. Als theoretisches Rüstzeug erhielten die Teilnehmer eine Einführung in elementare Dinge wie Feuermachen, Häuserbau und Jagd mit Pfeil und Bogen. Danach wurde der Lendenschurz umgeschnallt, das Wildschweinfell übergeworfen und fröhlich singend in die Steinzeit marschiert.Leider sieht es in keinem Moment nach Steinzeit aus. Das mag daran liegen, dass bei allen Beteiligten präzise Vorstellungen vom Leben damals fehlen. Ist ja auch schon eine Weile her. Es liegt aber auch daran, dass die Dokumentation keine Geschichten bereithält. Bei ähnlich gelagerten Zeitreisen ins Schwarzwaldhaus vor 100 Jahren, auf den Gutshof oder in die Sommerfrische der Goldenen Zwanziger ging es vor allem um persönliche Schicksale in unvertrauter Umgebung, hier geht es vorrangig um Forschung und Wissenschaft. So bekommen alle Steinzeit-Teilnehmer ein sehr unzeitgemäßes Messgerät umgebunden, das jeden Schritt und jede verbrauchte Kalorie misst. Außerdem berichtet der Sprecher öfter über Dinge wie Körperhaltung und Muskulatur damals und heute und die Veränderung des Fettanteils im Körper. Das mag ja für die Forscher und Wissenschaftler wahnsinnig aufregend sein, fernsehmäßig ist es von sehr überschaubarem Spannungsgehalt.Leider ist das längst nicht alles, was stört. Belehrung steht vor Unterhaltung, der Zuschauer wird mit eingeblendeten Fragen belästigt, während der Sprecher gerade über das Thema doziert. Warum wurden aus Jägern und Sammlern Ackerbauern und Viehzüchter? Was aß man in der Jungsteinzeit? Wer's weiß, soll sich melden.Am ärgerlichsten aber ist die aufgesetzte Dramatik, die diesem Film beigegeben wird. Weil sonst nicht viel passiert, muss Trommelwirbel und Trompetentusch her. Ständig ist vom Härtetest die Rede, so lange, bis es auch zum Härtetest für den Zuschauer wird. "Der Hunger wird stündlich größer", barmt der Sprecher. Als sich zwei Steinzeitvertreter wie einst Ötzi selig auf den Weg über die Alpen machen und dabei den Inn durchwaten müssen, raunt er: "Das Wasser ist trübe, die Steine glitschig und spitz. Jetzt bloß nicht ausrutschen." Am Gottesacker auf 2 000 Meter Höhe orakelt die Stimme: "Jeder Schritt bringt sie dem Schnee näher." Und mit jedem Schritt kommt der Zuschauer dem Ende näher. Also weiter!Schneller!------------------------------Drei Folgen aus Sicht der KinderDie erste Folge läuft Sonntag 21.45 Uhr in der ARD, Teil zwei Montag 21.45 Uhr. Teil drei und vier an den nächsten Montagen 21 Uhr.Zudem gibt es eine dreiteilige Dokumentation über die Erlebnisse aus Sicht der sechs Kinder, die an der Zeitreise teilgenommen haben."Die Steinzeit-Kinder" startet bereits an diesem Sonnabend um 10.30 Uhr in der ARD. Teil zwei und drei am Pfingstmontag ab 9 Uhr.------------------------------Foto : Wie einst Ötzi wandern Neuzeitmenschen über die Alpen. Zum Wohle der Wissenschaft und zur mäßigen Freude der Fernsehzuschauer.