Bei ihren Überlegungen, wie man an den Kosten der Rundfunkanstalten etwas sparen könne, sind die Ministerpräsidenten Bayerns, Nordrhein-Westfalens und Sachsens auch auf deren Chöre, Orchester und Big Bands gekommen. 23 solcher Rundfunk-Ensembles gibt es in Deutschland, neben den Einspielungen für das Repertoire ihrer Sender bieten sie rund 1 300 Konzerte in jeder Saison.Politisch mag man die Ensembles als praktische Sparmasse betrachtet haben. Es gibt von ihnen eine Menge, nimmt man etwas weg, ist immer noch viel da. Und dann stehen den vielen Hörern der produzierten Musik möglicherweise noch mehr gegenüber, die sie nicht hören, da ließe sich ein Sparbeschluss als Mehrheitsentscheid tarnen. Aber das Kostencontrolling innerhalb der Anstalten ist eine Seite - viele Ensembles haben sich komfortable Arbeitsbedingungen erkämpft, vorstellbar ist es schon, dass sich vielfach noch effizienter wirtschaften ließe. Auf der anderen ist eine mögliche Schließung oder Fusionierung von Ensembles kulturpolitischer Natur. Die WDR-Hörfunkdirektorin Monika Piel hat dieser Tage gewarnt, es sei die kulturelle Infrastruktur in den Ländern die durch solches Sparen am Rundfunk getroffen würde, und auch der Intendant des Deutschlandradios, Ernst Elitz, weist darauf hin, es seien auch die vielfach überschuldeten Kommunen, die von den Rundfunk-Orchestern und Chören profitierten. Viele Festivals, viele Konzerte gäbe es ohne die Beteiligung der jeweiligen Rundfunkanstalt nicht.Freilich existieren die Ensembles auch nicht seit je her in ihrer heutigen Form. Im Jahr 1951 wurden die Unterhaltungsorchester in Kaiserslautern und Koblenz zum heutigen SWR Rundfunkorchester zusammengelegt. Das traditionsreiche Sinfonieorchester des Mitteldeutschen Rundfunks erlebte 1991, nach der Gründung des MDR, die Verschmelzung des Rundfunk-Sinfonieorchesters mit der Radiophilharmonie Leipzig. Und auch innerhalb der Ensembles hat es Strukturveränderungen gegeben: Die Big Band des WDR etwa etablierte sich im Jahr 1947 unter der Bezeichnung Kölner Tanz- und Unterhaltungsorchester. Zwanzig Jahre lang bestand sie in der typischen Besetzung aus Big Band plus Streicher, dann gingen die Streicher ins Sinfonieorchester, die Band selbst bemühte sich auch um den Pop.Die Geschichte der Rundfunkorchester ist von jener des Rundfunks nicht zu trennen. Die Ensembles sorgten dafür, dass die Anstalten überhaupt zu Musik kamen, die sie ausstrahlen konnten. Von Anfang an übernahmen die Rundfunk-Ensembles aber auch kulturpolitische Aufgaben wie die Förderung neuer Musik, die auf dem freien Markt tätige Ensembles nicht so einfach verwirklichen können. Das älteste dieser Orchester aus der Gründerzeit des Rundfunks ist das heute von Marek Janowski geleitete Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, das am 29. Oktober 1923 ins Leben trat. Wenige Monate später, im Frühjahr 1924, wurde dann das Leipziger Sinfonie-Orchester von der Mitteldeutscher Rundfunk AG (MIRAG) übernommen. Dieses Orchester spielte für den Rundfunk Musik aller Art, es tat aber auch in der Leipziger Oper Dienst, wenn das Gewandhaus-Orchester andere Verpflichtungen hatte. 1925 wurde in Berlin der Rundfunkchor gegründet, 1929 entstand in Frankfurt am Main das Radio-Sinfonieorchester.Nach dem Krieg gründeten die Besatzungsmächte in ihren Zonen neue Rundfunkanstalten, und mit diesen entstand eine Vielzahl neuer Orchester. Die beiden Orchester in München, jene in Stuttgart, Freiburg und Saarbrücken, das Orchester des WDR in Köln, die Orchester des NDR in Hamburg und Hannover entstanden auf diese Weise, und in Berlin das RIAS-Sinfonieorchester, das seit 1993 unter dem Namen Deutsches Symphonie-Orchester firmiert und heute von Kent Nagano geleitet wird.Das DSO ist mit seinen Einspielungen für die Reihe "Entartete Musik" auch ein gutes Beispiel dafür, wie Rundfunkorchester den ursprünglichen Kulturauftrag weiterführten und, in der Folge des Krieges, neu interpretierten. Neue Musik spielte in den Sendeanstalten weiterhin eine große Rolle, nicht nur durch die Uraufführungen, sondern auch durch viele Kompositionsaufträge. Besonders das MDR-Orchester, das Orchester in Saarbrücken und das SWR-Sinfonieorchester taten sich in dieser Disziplin hervor. Seit im Jahr 1950 die Donaueschinger Musiktage wieder veranstaltet wurden, hat das Orchester aus Baden-Baden und Freiburg an die 400 Uraufführungen gespielt, und auch Pierre Boulez begann seine Karriere als Dirigent Ende der 50er Jahre in Baden-Baden.In dem Maß, in dem ein immer größerer Teil des bekannten Repertoires selbst produziert in den Archiven der Sendeanstalten liegt, ist in den letzten Jahren die Bedeutung der Rundfunkorchester im Konzertbetrieb gewachsen. So strahlen die Anstalten auch auf greifbare Weise ins kulturelle Leben ihrer Regionen aus, und so erklärt sich auch historisch, warum der Reichtum, den mancher Landes-Sparpolitiker den Rundfunkhäusern vorwirft, längst zum Reichtum der Regionen geworden ist.Musik in allen Sendern // Die ARD unterhält insgesamt 14 Orchester.Deutsches Symphonie-Orchester Berlin; Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RBB, Deutschlandradio).Münchner Rundfunkorchester; Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BR).Sinfonieorchester des MDR.NDR-Sinfonieorchester; Radio-Philharmonie Hannover (NDR).Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt (HR).Radio-Sinfonieorchester Stuttgart SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern; SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg (SWR).Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken (SR).Rundfunkorchester Köln; WDR Sinfonieorchester Köln (WDR).MDR VielköpfigerKlangkörper: Sinfonieorchester und Rundfunkchor Leipzig des Mitteldeutschen Rundfunks.MDR VielköpfigerKlangkörper: Sinfonieorchester und Rundfunkchor Leipzig des Mitteldeutschen Rundfunks.